Chicago/Seattle. Nach dem Flugverbot für die Boeing-Maschine 737 MAX kürzt der US-Konzern die Produktion der 737-er Reihe um fast 20 Prozent. Von Mitte April an würden monatlich nur noch 42 statt bisher 52 dieser Maschinen hergestellt, teilte Boeing am Freitag mit. Damit bestätigte der Flugzeugbauer Informationen über eine geplante Drosselung, die die Nachrichtenagentur Reuters zuvor von Insidern bekommen hatte. Boeing-Chef Dennis Muilenburg sagte, der Konzern wisse inzwischen, dass eine Reihe von Ereignissen zu den zwei Abstürzen von 737 in den vergangenen Monaten geführt hätten. Die irrtümliche Aktivierung einer Software, die einen Strömungsabriss verhindern und die Flugzeugnase automatisch absenkt, sei das verbindende Glied bei beiden Unglücken.

Im Zuge der Produktionskürzung komme es nicht zu einem Stellenabbau, führte Muilenburg aus. Das Unternehmen werde sich zudem bemühen, die finanziellen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Eigentlich wollte Boeing die Produktion der Bestseller-Maschinen im Juni auf 57 Stück im Monat erhöhen. Doch der Airbus-Rivale liefert derzeit keine 737 MAX aus, nachdem Maschinen dieses Typs nach einem zweiten Absturz binnen weniger Monate in den meisten Ländern Flugverbot erhielten.

Software-Update verschoben

In Indonesien waren im Oktober beim Absturz eines Flugzeugs der Gesellschaft Lion Air 189 Menschen gestorben. Bei dem Unglück am 10. März in Äthiopien waren alle 157 Menschen an Bord ums Leben gekommen, darunter fünf Deutsche. Der ersten offiziellen Untersuchung zufolge hielten sich die Piloten strikt an die Vorschriften von Boeing, bekamen ihre Maschine aber nicht unter Kontrolle.

Nach dem Absturz hatte es Hinweise gegeben, dass eine Software zur Kontrolle des Aufstiegswinkels der Besatzung Schwierigkeiten bereitet hatte. Ethiopian Airlines erklärte, die Maschine sei mehrmals in den Sturzflug geraten. Das dabei in die Kritik geratene MCAS-System sorgt für ein automatisches Absenken der Flugzeugnase bei Strömungsabriss. Boeing hatte nach dem Absturz in Indonesien eine Anleitung herausgegeben, wie die Software abgestellt wird. Eine Notfallrichtlinie der US-Luftfahrtaufsicht FAA folgte.

Boeing will den vermuteten Defekt mit einem Software-Update beheben, das aber auf die kommenden Wochen verschoben wurde. Boeing-Chef Muilenburg sagte am Freitag, bei der Aktualisierung des Programms gebe es Fortschritte, "damit es nie wieder zu solchen Unfällen" komme. Es werde im Konzern zudem eine Kommission gebildet, die die Entwicklung von Flugzeugen unter die Lupe nehmen und Verbesserungsvorschläge vorlegen soll. (apa, reuters)