Peking/Brüssel. China bringt Geschenke: Vor dem EU-China-Gipfel am Dienstag hat die Regierung in Peking am Montag Zollsenkungen für eine Reihe von Konsumgütern angekündigt. Die Abgabe auf die Einfuhr von Büchern, Computern, Möbeln, Nahrungs- und Arzneimitteln sinke von 15 auf 13 Prozent.

Und in einem Beitrag für das deutsche "Handelsblatt" verspricht der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang am, Peking wolle die EU keineswegs spalten. Die Volksrepublik bemüht sich augenscheinlich, sämtliche Bedenken in der EU zu zerstreuen.

Unterdessen ist Peking laut einer Studie des deutschen Mercator Institute for China Studies im Begriff, in einigen digitalen Schlüsseltechnologien sogar an den USA vorbeizuziehen. Im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) habe die Volksrepublik 2018 zweieinhalb Mal so viele Patente angemeldet wie die Vereinigten Staaten, heißt es in einer Untersuchung von Merics.

Die Studie warnt ausdrücklich davor, dass Europa im Technologie-Rennen der beiden Großmächte unter die Räder komme. Das liege einerseits am Investitionsvorsprung der USA und Chinas.

Andererseits sei "die US-Kampagne gegen den Einsatz der Huawei-Technologie in Europa" ein Vorgeschmack auf künftige Konflikte, konstatieren die Autoren. Da mache die USA auch Druck auf ihre Bündnispartner: Hintergrund ist die US-Forderung, beim 5G-Mobilfunkausbau keine Produkte des chinesischen Netzwerkausrüsters Huawei einzusetzen. Berlin und Wien haben sich wie andere EU-Partner aber entschieden, Huawei nicht formell auszuschließen.

Die Autoren der Studie empfehlen der EU, generelle Bedingungen für den Einsatz chinesischer Hightech-Produkte im europäischen Digitalmarkt zu setzen. Es gebe Hinweise, dass chinesische Cyberangriffe in Europa durch den massenhaften Einsatz billiger chinesischer Hardware erleichtert würden.

Und während China viele Patente anmeldet, so kauft es auch viele bereits bestehende Unternehmen auf. Eine Studie des Münchner Ifo-Instituts kam zu dem Ergebnis, dass chinesische Investoren im Ausland größere und sogar höher verschuldete Firmen aufkaufen als andere Investoren. Die Wirtschaftsforscher haben dazu mehr als 70.000 Firmenübernahmen in 92 Ländern seit dem Jahr 2002 ausgewertet. Darunter waren 1900 Firmenübernahmen durch chinesische Käufer, 171 davon waren deutsche Unternehmen.

Mega-Zukäufe mit
staatlichen Krediten

Im Durchschnitt seien die von Chinesen gekauften Firmen "sieben Mal so groß wie Firmen, die von Investoren aus anderen Ländern gekauft werden", teilte das Ifo-Institut am Montag mit. Aber die Verschuldungsquote liege um 6,5 Prozentpunkte höher und die durchschnittliche Profitabilität zum Zeitpunkt der Übernahme "nahe null". Meist seien diese Unternehmen billiger und ohne Bieterkämpfe zu haben.

Die Vorliebe für höher verschuldete und weniger profitable Unternehmen könne auch mit einem längerfristigen Anlagehorizont oder besseren Finanzierungsmöglichkeiten durch staatliche chinesische Banken erklärt werden.

Staatsunternehmen zielten auf Rohstoffe und Landwirtschaft, chinesische Privatunternehmen kauften eher Firmen in der Elektro- und Autoindustrie.

China will in zehn Schlüsselindustrien weltweit führend werden.