San Francisco. Der Konkurrent hat es schon getan. Ende März gelang dem US-Mitfahrdienst Lyft sein milliardenschweres Debüt an der Wall Street. Rivale Uber plant, diesen Schritt Anfang Mai zu setzen. Mit der Vorlage seines Börsenprospekts startete das US-Unternehmen nun den Countdown für den Börsengang.

Doch schon jetzt warnt es vor einer niemals endenden Verlustserie. Wegen deutlich steigender Kosten werde es "womöglich" nie dazu reichen, in die schwarzen Zahlen zu kommen, teilte die vor zehn Jahren gegründete Firma in einem Schreiben an die Börsenaufsicht SEC mit. Dabei zählt Uber monatlich inzwischen 91 Millionen Kunden und stellt in vielen Regionen weltweit eine Herausforderung für die Taxibranche dar. Allerdings halten die Zweifel an, ob es sich um ein nachhaltiges Geschäftsmodell handelt.

Bisher verdient Uber an den Vermittlungsgebühren, die fällig werden, wenn ein Fahrer einen neuen Auftrag über die Online-Plattform erhält. Allerdings investiert das Unternehmen auch stark in neue Geschäftsfelder wie autonomes Fahren, die Auslieferung von Essen, Elektro-Fahrräder und -Scooter sowie Frachtangebote. Analysten halten es für unumgänglich, dass der Konzern deutlich wächst, um überhaupt irgendwann einen Gewinn zu schreiben.

Das Wachstum hatte sich im vergangenen Jahr deutlich abgeschwächt: Der Umsatz stieg um 42 Prozent auf 11,3, Milliarden Dollar. 2017 hatte es noch zu einem Plus von 106 Prozent gereicht.

Unterm Strich gab es 2018 einen Jahresgewinn von knapp einer Milliarde Dollar. Diese schwarzen Zahlen kamen aber nur durch einen Sondererlös aus dem Verkauf von Teilen des internationalen Geschäfts im ersten Vierteljahr zustande, der für einen Quartalsgewinn von 3,75 Milliarden Dollar sorgte. In den restlichen Quartalen schrieb Uber nur Verluste: zweimal rund 890 Millionen Dollar sowie fast eine Milliarde Dollar. Beim Jahresergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen fiel ein Minus von 1,85 Milliarden Dollar an. Auch davor waren die Zahlen tiefrot: 2017 gab es einen Verlust von gut vier Milliarden Dollar.

Nach der Skandalserie

Während sich Uber in den vergangenen Jahren viel Geld bei Investoren für ein aggressives globales Wachstum besorgte, war die letzte Zeit eher davon geprägt, dass sich das Unternehmen aus besonders stark umkämpften Regionen zurückzog. Allerdings deutete sich zuletzt mit dem drei Milliarden Dollar schweren Kauf des Rivalen Careem im Nahen Osten wieder ein Strategieschwenk an.

Unter dem Firmengründer und langjährigen Chef Travis Kalanick wurde Uber außerdem lange von einer Skandalserie gebeutelt, die von sexuellem Missbrauch, über Datendiebstahl bis zu Bestechung und Konflikten mit den Behörden sowie der Taxibranche reichte. Diese Zeiten sind vorbei, seit 2017 Dara Khosrowshahi die Firmenspitze übernommen hat. Er bemüht sich um ein freundlicheres Image, hat aber auch noch keine Antwort auf den Zukunftstrend gefunden, der Ubers Geschäftsmodell gefährden könnte: das autonome Fahren.

Bisher ist unklar, wie groß der Börsengang ausfallen wird. Laut Nachrichtenagentur Reuters könnte das kalifornische Unternehmen Aktien im Wert von rund zehn Milliarden Dollar verkaufen und damit zwischen 90 und 100 Milliarden Dollar bewertet werden. Damit wäre es das größte Aktienmarktdebüt seit der Neuemission des Amazon-Konkurrenten Alibaba vor fünf Jahren, bei dem der chinesische Konzern 25 Milliarden Dollar einsammelte.

Dass Uber mitteilt, die Gewinnzone werde vielleicht nie erreicht, ist nichts Ungewöhnliches. Solche Standard-Risikowarnungen hatten auch der Kurznachrichtendienst Twitter, Snapchat-Betreiber Snap sowie zuletzt Lyft und die Fotoplattform Pinterest in ihren Börsenprospekten gehabt. Anleger können dennoch darauf hoffen, ein gutes Geschäft zu machen.

Ubers kleinerer Rivale Lyft hatte an der Börse aber zunächst enttäuscht. Er schraubte den Ausgabepreis seiner Aktien bis auf 72 Dollar hoch, der Börsengang galt als Erfolg. Doch danach ging die Lyft-Aktie auf Talfahrt und schloss zuletzt bei 61 Dollar.