Braunschweig. Nach mehr als drei Jahren Ermittlungen im VW-Dieselskandal muss sich Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn wohl vor Gericht verantworten. Gegen ihn und vier weitere Personen sei Anklage erhoben worden wegen schweren Betrugs und unlauteren Wettbewerbs, teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig am Montag mit.

Daneben wirft die Anklagebehörde den Führungskräften teils auch Untreue, Steuerhinterziehung sowie mittelbare Falschbeurkundung vor. Winterkorn drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck der US-Umweltbehörde EPA zugegeben, millionenfach Diesel-Abgaswerte durch eine Abschalteinrichtung manipuliert zu haben. Die Wiedergutmachung des Skandals kostete Volkswagen bisher fast 30 Mrd. Euro - vor allem Strafen und Schadenersatzzahlungen in den USA. Und ein Ende der Forderungen ist nicht absehbar. Denn Anleger wollen milliardenschwere Schadenersatzforderungen vor Gericht durchsetzen.

Illegale Abschalteinrichtung bewusst verschwiegen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig geht von einem Tatzeitraum vom 15. November 2006 bis zum 22. September 2015 aus. Die Beschuldigten hätten die Existenz einer illegalen Abschalteinrichtung bewusst verschwiegen, die die Emissionswerte von Diesel-Autos auf dem Prüfstand verringerte, erklärte die Behörde.

Winterkorn, der am 23. September 2015 zurücktrat, werfen die Ermittler Betrug in einem besonders schweren Fall sowie unlauteren Wettbewerb und Untreue vor. Seinen Namen nannten die Ermittler als einzigen, weil er als Person der Zeitgeschichte weniger Schutzrechte genießt. Für alle fünf Beschuldigten gelte aber die Unschuldsvermutung, betonte die Staatsanwaltschaft. Ein Sprecher Winterkorns war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Alles für hohe Verkaufszahlen und hohen Gewinn

Seit Mai 2014 habe es Winterkorn unterlassen, die rechtswidrigen Manipulationen an Diesel-Motoren den zuständigen Behörden in Europa und den USA offenzulegen und den weiteren Einbau der Abschalteinrichtungen zu untersagen, erklärten die Ermittler. Zudem habe der Konzern mit Wissen und Billigung auch von Winterkorn im November 2014 ein Software-Update veranlasst, um den wahren Grund für die erhöhten Stickoxidwerte der Fahrzeuge zu verschleiern. Die Angeschuldigten hätten in dem Bestreben gehandelt, dem Unternehmen möglichst hohe Verkaufszahlen mit einem möglichst hohen Gewinn zu verschaffen. Vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens sei letztlich auch das Einkommen der Angeschuldigten abhängig gewesen, insbesondere die vertraglich vorgesehenen Bonuszahlungen, die teilweise in die Millionen gingen. Die unrechtmäßig erlangten Boni sollten den Angeschuldigten im Strafverfahren wieder entzogen werden. Dabei handelt es sich nach Einschätzung der Strafermittler um Beträge zwischen knapp 300.000 Euro bis hin zu knapp elf Mio. Euro. Insbesondere Winterkorn hatte von hohen Bonuszahlungen profitiert. Sein Rekordgehalt von 17,5 Mio. Euro hatte vor ein paar Jahren massive Kritik in der Öffentlichkeit ausgelöst.