San Diego. Es war ein überraschender Ausgang eines Rechtsstreits, der sich über mehrere Jahre sowie Kontinente zog und sogar für eine Zeit lang zu einem Verkaufsverbot geführt hatte. Vertreter der beiden Technologieriesen Qualcomm und Apple standen sich schon im kalifornischen San Diego vor Gericht gegenüber, um ihre Eröffnungsplädoyers zu halten, als sie die Nachricht von einem Vergleich erreichte. Der Chipproduzent erhält demnach eine nicht bekannte Geldsumme vom iPhone-Hersteller sowie eine sechsjährige Lizenz-Vereinbarung, mit der er seine Position als Halbleiter-Lieferant für iPhones zurückerobern könnte.

Qualcomm ist auf solche Halbleiter spezialisiert, doch macht einen großen Teil des Geschäfts auch die profitable Vergabe von Lizenzen aus. Apple hatte dem Unternehmen vorgeworfen, seine Marktmacht zu missbrauchen. Die Anschuldigung lautete, mit Patentverletzungen ein Monopol für bestimmte Chip-Arten geschaffen zu haben. Dabei handelt es sich um Halbleiter, die Smartphones mit mobilen Datennetzen verbinden.

Intel stoppt Chip-Entwicklung

Qualcomm gab den Vorwurf zurück und bezichtigte wiederum Apple der Verletzung von Patenten. Der kalifornische Konzern hätte nicht für die Nutzung von Qualcomm-Technologie gezahlt. Apple hatte tatsächlich aufgehört, Lizenzgebühren zu entrichten, und ließ im Vorjahr nur noch Chips vom Qualcomm-Rivalen Intel in seine Geräte einbauen.

In diesem Zusammenhang steht auch eine der Gerichtsentscheidungen in dem zwei Jahre dauernden Streit, in dem mal die eine, mal die andere Seite siegreich schien. Nach einer Entscheidung des Münchner Landgerichts durften bestimmte iPhones mit Intel-Halbleitern nicht in den deutschen Apple-Filialen verkauft werden. Vor dem Gericht in der bayerischen Landeshauptstadt hatte Qualcomm auch beantragt, Apple-Chef Tim Cook in Zwangshaft zunehmen.

Die nun erfolgte Einigung bezeichnete Richter Gonzalez Curiel in San Diego als "ideale Lösung". Diese ermögliche es den Tech-Unternehmen, "wieder ins Geschäft zu kommen". Alle Klagen werden fallengelassen, die Verfahren beendet.

Beobachter werteten den Vergleich nach ersten Erkenntnissen als einen Sieg für Qualcomm. Die Aktien des Konzerns schossen am Dienstag 22 Prozent nach oben. Apple- und Intel-Papiere notierten etwas höher. Am Mittwoch setzte sich der positive Trend für Qualcomm fort.

Das Unternehmen gewinnt außerdem die Oberhand über seinen Konkurrenten Intel. Dieser stoppt nämlich die Entwicklung von Modem-Chips für Smartphones und überlässt damit das Feld weitgehend Qualcomm. Es zeichne sich kein klarer Weg ab, in diesem Geschäft profitabel zu sein, erklärte der Intel-Vorstandsvorsitzende, Bob Swan, in der Nacht zum Mittwoch.

Apple unter Zeitdruck

Intel-Modems für die aktuellen Netze des Mobilfunk-Standards 4G/LTE sollen zwar weiterhin an die Hersteller geliefert werden. Den für 2020 angekündigten Chip für den superschnellen 5G-Datenfunk werde es aber nicht geben. Intel will sich bei seinen 5G-Anstrengungen auf die Netzwerk-Infrastruktur konzentrieren.

Daher kommen Spekulationen, ob die Beilegung des Rechtsstreits mit Qualcomm nicht auch dem Zeitdruck geschuldet war, unter dem Apple steht. Qualcomm hat bereits Smartphone-Modems für den 5G-Standard im Angebot. Und selbst wenn ein entsprechender Intel-Chip im kommenden Jahr verfügbar wäre, käme ein 5G-taugliches iPhone deutlich später als ähnliche Telefone der Konkurrenz auf den Markt.