San Francisco/Peking. (red) Zu spät war das größte Online-Warenhaus der Welt mit Sicherheit nicht dran. Bereits 2004 übernahm Amazon die chinesische Shopping-Website Joyo.com für 75 Millionen US-Dollar und legte damit den Grundstein für seine Aktivitäten in der Volksrepublik.

Eine Erfolgsgeschichte ist das China-Abenteuer für das Unternehmen von Jeff Bezos aber trotz des frühen Starts und dem sukzessiven Ausbau der Geschäftstätigkeit - 2011 wurde Joyo.com offiziell in Amazon China umbenannt - nicht geworden. Der US-Internet-Riese muss sich nun sogar der Übermacht der einheimischen Konkurrenz beugen und schränkt sein Angebot im Reich der Mitte drastisch ein.

So wird Amazon in den kommenden 90 Tagen unter anderem seinen Marktplatz einstellen und die damit verbunden Dienstleistungszentren schließen. Damit werden Kunden in China nicht mehr Waren von in- und ausländischen Drittanbietern über Amazon beziehen können. "Diejenige Verkäufer, die daran interessiert sind, weiterhin außerhalb von China auf Amazon zu verkaufen, können dies über Amazon Global Selling tun", erklärte eine Amazon-Sprecherin. Das Unternehmen werde sein Angebot in China auf den Ausbau des Amazon Global Stores konzentrieren, Global Selling und Kindle E-Books konzentrieren. Ebenso werde es das Cloud-Computing von Amazon Web Services weiter geben.

Amazon weicht damit der Dominanz von Alibaba und JD.com. Laut einer Untersuchung der Analysten von iResearch Global beherrschen die chinesischen Firmen knapp 82 Prozent des Online-Handels im Reich der Mitte. "Amazon gibt auf, weil das Geschäft nicht rentabel ist und nicht wächst", sagt Analyst Michael Pachter von Wedbush Securities.

"Kein Wettbewerbsvorteil"

Dass Tmall, die Verkaufs-Plattform des Alibaba-Imperiums von Jack Ma, und und JD.com deutlich erfolgreicher als Amazon sind, hat laut Experten vor allem damit zu tun, dass das Gros der chinesischen Kunden lieber auf einheimischen Plattformen einkauft, wenn es dort vergleichbar gute Angebote gibt. Amazon habe in China kaum einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den inländischen Rivalen, sagt auch Ker Zheng, Marketing-Spezialist bei der in Shenzhen ansässigen E-Commerce-Beratung Azoya. "Wenn jemand nicht nach einer bestimmten Importware sucht, die anderswo nicht zu finden ist, besteht für einen Verbraucher kein Grund, sich für Amazon zu entscheiden, weil sie nicht in der Lage sind, Dinge so schnell wie Tmall oder JD zu versenden."

Zudem hat die konjunkturelle Abschwächung in China auch den Onlinehandel erfasst. So gab Alibaba im Jänner das geringste Gewinnwachstum seit dem Jahr 2016 bekannt. JD.com reagierte auf die schwächelnde Konjunktur bereits mit Personalabbau.

Amazon ist allerdings nicht das erste prominente westliche Unternehmen, dessen China-Hoffnungen sich nicht erfüllt haben. So verkaufte der US-Supermarkt-Riese Walmart schon 2016 seine chinesische Einkaufsplattform an JD.com, um sich wieder auf seine physischen Geschäftslokale zu konzentrieren.