SAP-Gründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner bekam die Macht der Aktionäre schon vor zwei Jahren zu spüren: Er schrammte nur um Haaresbreite an seiner Nichtentlastung vorbei, unter anderem weil sich Investoren ärgerten, dass ihnen die Vergütungsregeln nicht zur Abstimmung vorgelegt wurden. Der Softwarekonzern habe aus diesem Warnschuss gelernt, sagt Hölz. Die Bonusregeln wurden angepasst, der Aufsichtsrat verjüngt. Vor dem diesjährigen Aktionärstreffen hat Plattner die Maßnahmen in einem offenen Brief an die Anteilseigner erklärt. "Die Anleger wollen verstehen, warum etwas so ist, wie es ist", sagt Hölz.

2017 hatte auch schon die Münchener Rück Schwierigkeiten mit ihren Aktionären bekommen: Der Routine-Beschluss, das Kapital um 50 Prozent aufstocken zu können, ohne die Aktionäre eigens um Zustimmung zu bitten, drohte plötzlich durchzufallen. Denn viele Anleger ärgerte, dass sie selbst bei eventuellen Mega-Fusionen wie der von Linde und Praxair praktisch nicht gefragt werden sollten. Erst als der Rückversicherer versprach, diesen Rahmen nicht auszuschöpfen, reichte es knapp zur Mehrheit.

Inzwischen haben ISS & Co die Daumenschrauben weiter angezogen. Kapitalerhöhungen ohne Bezugsrecht lassen sie 2019 nur noch bis zu zehn Prozent zu, bisher waren 20 Prozent üblich. Die großen Konzerne haben sich darauf eingerichtet. "Kleinere Firmen werden davon mitunter überrascht", sagt DSW-Vertreterin Hölz. Der Hinweis auf das heimische Aktienrecht lässt ausländische Berater dabei oft kalt - sie machen ihre eigenen Regeln.

Indexfonds als weiterer Treiber

Franz-Josef Leven, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts (DAI), sieht einen weiteren Grund für die wachsende Opposition paradoxerweise im Vormarsch der Indexfonds, die doch als passive Investoren gelten. Sie können nicht einfach ihre Aktien verkaufen, wenn sie mit dem Vorgehen des Vorstands nicht einverstanden sind, weil sie den jeweiligen Aktienindex abbilden müssen. "Das erhöht die Bereitschaft, sich zu Wort zu melden, auch im Interesse der Anleger." Um eine Schlappe für Baumann zu vermeiden, bleibt Bayer nach Ansicht der DSW daher wohl nur ein Ausweg. "An Bayers Stelle würde ich sagen: Lasst uns die Entlastung verschieben, bis man bei den Monsanto-Klagen klarer sieht", sagt Geschäftsführerin Hölz.