Chicago. Zwei Unglücke und ein schlimmer Verdacht: Der US-Luftfahrtriese Boeing wird nach den Flugzeugabstürzen in Indonesien und Äthiopien massiv kritisiert und kämpft um seinen Ruf. Heute Mittwoch wird Boeing den ersten Geschäftsbericht seit den weltweiten Startverboten für die Unglücksflieger der Baureihe 737 Max vorlegen.

"Diese letzten Wochen waren die herzzerreißendsten meiner Karriere", sagte Konzernchef Dennis Muilenburg jüngst. Boeings Aktionäre wollen vor allem eines wissen: Wie hoch wird die Rechnung für das 737-Max-Debakel ausfallen? Beim Quartalsbericht dürfte die Anleger deshalb besonders der Ausblick mit den Prognosen für das restliche Geschäftsjahr interessieren. Unmittelbar damit verknüpft ist die Frage, wie Boeing bei den Bemühungen um eine Wiederzulassung der 737-Max-Flugzeuge vorankommt. Zuletzt war hier trotz aller Beteuerungen Muilenburgs wenig Bewegung zu sehen.

Weltweite Startverbote

Nach den Unglücken in Indonesien und Äthiopien, bei denen insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren, waren weltweit Startverbote für Boeings bestverkaufte Baureihe 737 Max erlassen worden. Die Flugzeuge können nicht ausgeliefert werden, was Spuren in der Bilanz hinterlassen wird. Die Produktion der Flieger wurde bereits deutlich gedrosselt. Wegen der noch nicht abschließend geklärten Unfallursachen und Probleme mit einer Steuerungssoftware ist unklar, ob und wann die 737-Max-Maschinen von den Aufsichtsbehörden wieder zugelassen werden.

Für Boeings Geschäft ist die 737-Max-Baureihe von enormer Bedeutung. Laut Analysten der Berenberg Bank steuert die Serie knapp ein Drittel zum Umsatz und einen Großteil des Gewinns bei. Boeing hat zwar zuletzt keine neuen Aufträge für die Maschinen erhalten, sitzt aber nach wie vor auf Tausenden Bestellungen, bisher halten sich die Airlines mit Stornierungen zurück. Das ist auch dem Markt an kleineren Passagierflugzeuge geschuldet, der außer dem Konkurrenzmodell A320 von Airbus - das auf Jahre ausgebucht ist - kaum Alternativen bietet.

Regressforderungen

Doch auch wenn ein massenhafter Umstieg und eine Stornierungswelle von Fluggesellschaften schon allein aus Mangel an Ausweichmöglichkeiten unwahrscheinlich scheint, wird die Lage für Boeing immer kritischer. Je länger sich die Flugverbote hinziehen, desto stärker gerät der Hersteller gegenüber Kunden in Verzug, was zu Regressforderungen führen kann. Zudem ist es bereits ein logistischer Kraftakt, die vielen Maschinen zu lagern. Brisanter als diese operativen Probleme könnte aber Boeings Rolle bei den Abstürzen sein.