Frankfurt. (rs/reuters) Am Anfang hatte sich der jüngste Boss, den die Deutsche Bank je hatte, lange geziert. Nach vielen Monaten, in denen Christian Sewing mit seinen Kollegen im Vorstand diskutiert und gestritten hat, entschied sich der 48-Jährige dann aber doch dafür. Fast ein Jahr nach seiner überraschenden Beförderung an die Konzernspitze nahm die Deutsche Bank Mitte März offiziell Fusionsverhandlung mit der Commerzbank auf.

Vor allem von Seiten der Politik war der Druck groß gewesen. So hatten sich der deutsche Finanzminister Olaf Scholz und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Sachs-Deutschlandchef Jörg Kukies, immer wieder für einen "nationalen Champion" ausgersprochen. Doch auch Sewing selbst soll sich vom Zusammengehen der beiden größten deutschen Privatbanken einiges versprochen haben, etwa wenn es um Größenvorteile, sinkende IT-Kosten und günstigere Refinanzierungsmöglichkeiten ging.

"Kein ausreichender Mehrwert"

Was schon vor drei Jahren als ziemlich schüchterner Sommerflirt begonnen hat, mündet nun allerdings doch nicht in einer fixen Beziehung. Ein Zusammenschluss biete "keinen ausreichenden Mehrwert", teilten Deutsche Bank und Commerzbank am Donnerstag wortgleich in getrennten Mitteilungen mit.

In ihren Meldungen verwiesen die beiden Institute vor allem auf die hohen Umsetzungsrisiken, Restrukturierungskosten und Kapitalanforderungen, die mit einer solch großen Integration einhergegangen wären. "Es war sinnvoll, diese Option einer innerdeutschen Konsolidierung zu prüfen. Für uns war aber von Anfang an klar: Mit einem Zusammenschluss müssten wir höhere und nachhaltigere Renditen für unsere Aktionäre erreichen und die Leistungen für unsere Kunden verbessern können", erklärten Sewing und Commerzbank-Chef Martin Zielke. Beide hatten sich einem Insider zufolge am Donnerstag noch einmal getroffen und "ein bisschen länger" miteinander gesprochen.

Mit einer Fusion der beiden seit Jahren der internationalen Konkurrenz hinterherlaufenden Institute wäre die mit weitem Abstand größte deutsche Bank entstanden. Allerdings wären bei einem Zusammenschluss aller Wahrscheinlichkeit auch mehrere zehntausend Jobs wegfallen - in den beiden Frankfurter Zentralen und bundesweit in den Filialen. Die Gewerkschaften waren deshalb seit dem Bekanntwerden der Fusionspläne Sturm gelaufen, die ihrer Einschätzung nach eine auf dem Papier zwar deutlich größere, aber nicht unbedingt schlagkräftigere Bank hervorgebracht hätten. Auch große Investoren der Deutschen Bank, darunter das Emirat Katar und der chinesische Konzern HNA, sahen das Unterfangen skeptisch, zumal zuletzt immer klarer geworden ist, dass es womöglich zu viele Hindernisse für eine Fusion gibt - angefangen von der enorm komplexen Struktur einer neuen Bank bis hin zur Finanzierung des Deals.