Kluft zu US-Banken wächst

Nun steht Branchenbeobachtern zufolge vor allem die Deutsche Bank zunächst mit leeren Händen da und muss wohl relativ schnell einen Plan B auf den Tisch legen. Und obwohl das Institut laut den am Donnerstag ebenfalls vorgelegten Quartalszahlen zuletzt einen Gewinn von 200 Millionen Euro erzielt hat, könnte es dabei möglicherweise zu weiteren harten Einschnitten kommen. So war vor kurzem bekannt geworden, dass die Deutsche Bank ihre Vermögensverwaltungstochter DWS mit der entsprechenden Sparte der Schweizer Großbank UBS zusammenlegen könnte. Die Absage der deutschen Bankfusion ändere nichts daran, "dass man früher oder später eine Art von Konsolidierung in der Industrie sehen wird", sagte UBS-Chef Sergio Ermotti am Donnerstag.

Dass der europäische Bankensektor zu fragmentiert ist, um mit der Weltspitze mithalten zu können, ist unter Experten und Banken-Lenkern schon lange unumstritten. Viele Institute haben ein Ertragsproblem und kämpfen im Investmentbanking mit Gegenwind. In der jüngsten Rangliste der Ratingagentur Standard & Poor’s liegt die Deutsche Bank nach Bilanzsumme etwa nur auf Platz 15. Die ersten fünf Plätze belegen Institute aus China und Japan, noch vor der größten US-Bank JP Morgan Chase, der britischen HSBC als Nummer 1 in Europa und der französischen BNP Paribas als führendem Institut im Euroraum. Und vor allem was den Gewinn betrifft, wird die Kluft zwischen den Wall-Street-Häusern und den Europäern immer größer: Im Geschäftsjahr 2018 verdiente JP Morgan 28,4 Milliarden Euro und damit doppelt so viel, wie die Deutsche Bank derzeit an der Börse wert ist.

Die auf Privatkunden und den Mittelstand fokussierende Commerzbank gilt daher auch nach dem Platzen der deutschen Bankenhochzeit als Übernahmekandidatin. "Ich erwarte, dass die Commerzbank von einer anderen europäischen Bank gekauft wird. Es ist eine Frage des ,Wann‘, nicht des ,Ob‘", sagte Filippo Alloatti, Analyst beim Vermögensverwalter Hermes. Interessenten dafür gibt es bereits. So sollen im Vorstand der italienische Unicredit noch während den deutschen Fusionsgesprächen Pläne für ein Übernahmeangebot erörtert worden sein. Und auch die niederländische ING-Bank soll bereits ein Auge auf die Commerzbank geworfen haben.