Hangzhou. Jack Ma, Firmengründer des chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba, ist mit 39,6 Milliarden Dollar (35,4 Milliarden Euro) Vermögen der reichste Mann Chinas und findet sich auf Platz 21 der "Forbes"-Liste der reichsten Menschen der Welt. Ihm stattete Bundeskanzler Sebastian Kurz gemeinsam mit der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner einen Besuch im Hauptquartier des im Jahr 1999 gegründeten Unternehmens ab.

Glas, Beton, Sonnensegel, in Beton eingefasste Wasserbecken. Unaufdringliche und doch nicht zu steril geratene Büroarchitektur auf 150.000 Quadratmetern mit viel Grün. Rund 10.000 Mitarbeiter arbeiten im Headquarter in der am Qiantang-Fluss unweit von Schanghai gelegenen Neun-Millionen-Einwohner-Stadt Hangzhou.

Alibaba wird oft als die chinesische Antwort auf den 1994 gegründeten US-E-Commerce-Riesen Amazon (Marktkapitalisierung: 847 Milliarden Dollar) bezeichnet. Im selben Jahr, in dem der heute 54-jährige Jack Ma das Unternehmen 1999 aus der Taufe hob, wurde Amazon-Gründer Jeff Bezos vom US-Magazin "Time" zum "Mann des Jahres" gekürt. Alibaba ist aber kein Amazon-Klon, eher so etwas wie ein Zwischending aus eBay und Amazon, ein digitaler Marktplatz, der Käufer und Verkäufer zusammenbringt. Alibaba verkauft im Unterschied zu Amazon selbst keine Waren, versucht also nicht, mit Anbietern auf der Handelsplattform in Konkurrenz zu treten.

Der Umsatz des Unternehmens entwickelte sich rasant: Von 6,7 Milliarden Yuan (0,82 Milliarden Euro) im Jahr 2010 auf 250 Milliarden Yuan (33,2 Milliarden Euro) im Jahr 2018 (zum Vergleich Amazon: 233 Milliarden Dollar entspricht 208 Milliarden Euro). Der Alibaba-Börsenwert liegt aktuell bei 420 Milliarden Dollar (375 Milliarden Euro).

Wie stark Alibaba aber in China ist, stellte das Unternehmen erst vor ein paar Tagen unter Beweis, als Amazon bekanntgeben musste, dass der US-Onlinehändler sich aus China zurückzieht.

Datenschutz kein Thema

Amazon konnte im Reich der Mite nie wirklich Fuß fassen. Denn Alibaba verfügt über ungleich mehr Daten über die Konsumenten und Verkäufer, die sich auf der Plattform tummeln, was es dem Unternehmen ermöglicht, dass Alipay, Alibabas Bezahlsystem, den Marktteilnehmern auf seiner Plattform Kredite bis zur Höhe von einer Million Yuan (120.000 Euro) einräumen kann. Die Bonität wird von einem Algorithmus errechnet, wobei das Unternehmen auf vorhandene Umsatzdaten und "Vertrauensindikatoren" zurückgreifen kann. Datenschutz ist für Ma dabei kein Problem: "Europa zerbricht sich viel zu sehr den Kopf über Datenschutz", sagte er, während er die österreichische Delegation durch den Showroom des Online-Handels-Unternehmens führt.