Die Delegation wurde vom Firmengründer persönlich empfangen, Kanzler Kurz hat Jack Ma zuletzt beim World Economic Forum in Davos getroffen. Kurz ist - wie er sagt - seit seinem ersten Zusammentreffen beeindruckt von Ma, der sich vom Englischlehrer zum reichsten Mann Chinas emporgearbeitet hat. Ma wisse um die Trends in der Gesellschaft und in der Wirtschaft bestens Bescheid und sei daher ein wichtiger Ideengeber und Partner zum Gedankenaustausch. Dabei sei auffallend, so Kurz, dass Ma stets Optimismus versprühe, wenn es um eine Beurteilung der wirtschaftlichen und sozialen Lage in den USA, Asien und Afrika geht. In Europa liege aber Angst und Unsicherheit in der Luft, zitiert Kurz Ma. "Und auch ich habe große Sorge, dass wir uns in der Europäischen Union in den falschen Diskussionen verlieren", so Kurz.

Man verteile Wohlstand, der noch gar nicht erwirtschaftet ist, und bremse Innovation durch Regulierung. "Wenn wir weiter zaudern, anstatt innovativ und mutig zu sein, werden uns Länder wie China in solch hoher Geschwindigkeit abhängen, dass wir uns das jetzt noch gar nicht vorstellen können", sagt Kurz. Der Bundeskanzler weiter: "Ich habe das Gefühl, dass wir in Europa zu selbstzufrieden und gesättigt sind. Wenn man sich umschaut, wie dynamisch Länder wie China sind, wie gut die wirtschaftliche Situation in den USA immer noch ist und wie erfolgreich kleine Staaten wie Israel oder Singapur sind, dann sollte uns das in Europa und in Österreich zu denken geben."

Angebot an heimische Firmen

Der österreichischen Delegation bot Ma an, dass 30 österreichischen Unternehmen Schulungen angeboten werden, wie sie mithilfe der chinesischen Online-Handelsplattform in China ihre Kunden besser erreichen. "Österreich hat tolle Produkte, die Anbieter sollen nicht auf ihre Kunden warten, sondern aktiv auf sie zugehen", sagt Ma.

Die Plattform Alibaba als Chance für kleinere heimische Firmen sieht Kurz zwar, es gebe aber auch Risiken: Online-Handelsplattformen böten zwar eine Chance für zusätzliche Exporte, man müsse aber darauf achten, dass nicht der stationäre Handel zu reinen Schauräumen verkomme. Möglichkeiten für österreichische Unternehmen, in China stärker präsent zu sein, würden sich dadurch aber sehr wohl bieten: "Wenn der chinesische Markt größer wird und der Mittelstand wächst, wird China zu einem immer wichtigeren Absatzmarkt. Beim Tourismus explodieren die Zahlen, wir haben bereits über eine Million chinesischer Touristen, mit unseren Produkten sollte ähnliches gelingen."

Kurz pochte aber auf fairen Handel auf Augenhöhe. Es sei nicht einzusehen, warum die bald größte Volkswirtschaft der Welt in der Welthandelsorganisation immer noch als Entwicklungsland mit entsprechenden Privilegien geführt werde. "Das ist einfach unfair", sagte Kurz.