New York/San Francisco. In den USA findet einer der größten Börsengänge seit Jahren statt: Der US-Fahrdienstvermittler Uber strebt heute Freitag aufs Parkett. Das vor zehn Jahren gegründete Technologieunternehmen aus Kalifornien, das noch immer keine Gewinne schreibt, kommt auf eine Gesamtbewertung von mehr als 82 Milliarden US-Dollar (73 Milliarden Euro) - und ist damit so viel wert wie BMW und Volkswagen zusammen.

Ursprünglich wurde noch mehr angepeilt. Am Ende legte Uber jedoch den Ausgabepreis am unteren Ende der Spanne fest, wohl auch um das Schicksal des kleineren Rivalen Lyft zu vermeiden, mit dessen Aktien es seit dem Börsengang Ende März nur bergab ging. Doch auch Ubers Börsendebüt ließ zu wünschen übrig: Der erste Kurs lag bei 42,00 Dollar und damit weit unter dem Ausgabepreis von 45,00 Dollar.

Bekannt wurde Uber, weil der Konzern in vielen Regionen der Welt - auch in Österreich und Deutschland - die Taxibranche auf den Kopf gestellt hat und die Art veränderte, wie Menschen mobil unterwegs sind: Die Firma vermittelt Mitfahrten über eine App, zuletzt zählte sie nach eigenen Angaben 91 Millionen Kunden pro Monat. Genau darin stecke die Fantasie an der Börse, sagt Anlage-Experte Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. "Wegen der Taxis wird die Uber-Aktie nicht gekauft. Uber hat das Potenzial, die führende Plattform zu werden, über die Mobilitätsprobleme weltweit gelöst werden können." Für die Anleger ist es also vor allem eine große Wette auf die Zukunft.

Die Entwicklung seit 2013. - © Wiener Zeitung
Die Entwicklung seit 2013. - © Wiener Zeitung

Hype trotz fehlender Gewinne

Oliver Roth, Chefhändler bei der Bank Oddo Seydler, sieht darin kein Problem: "Es gibt einige Unternehmen an der Börse, die bis heute kein Geld verdienen und immer noch gehypt werden." So habe auch Amazon beim Start an der Wall Street 1997 tiefrote Zahlen geschrieben. Inzwischen ist der Online-Händler mit einer Marktkapitalisierung von über 900 Milliarden Dollar eines der größten Unternehmen der Welt, das satte Gewinne schreibt - 3,6 Milliarden Dollar waren es allein im ersten Quartal. "Das erhoffen sich die Anleger auch bei Uber. Gerade in Amerika ist der Hunger nach Risiko groß", betont Roth.

Uber-Chef Dara Khosrowshahi, der seit 2017 an Bord ist, hatte in den vergangenen Wochen kräftig die Werbetrommel für den Börsengang gerührt. Die Zukunft von Uber liege nicht in den Fahrdiensten, sondern auf einer Technologie-Plattform für Transport- und Logistikdienste, betonte er. Khosrowshahi brachte wieder Ruhe in das Unternehmen. Unter seinem Vorgänger Kalanick war der Konzern oft in den Schlagzeilen gestanden. Die Vorwürfe reichten von sexuellem Missbrauch über Datenklau bis hin zu Bestechung. Allerdings streikten in dieser Woche gleich in mehreren Städten der USA und in Großbritannien Uber-Fahrer, um auf die Diskrepanz zwischen ihren Arbeitsbedingungen und den erwarteten Gewinnen der Investoren beim Börsengang aufmerksam zu machen. Weltweit fahren für Uber drei Millionen Menschen.

Einigung mit Fahrern

Uber teilte nun am Donnerstag mit, sich mit der Mehrheit der rund 60.000 Fahrer geeinigt zu haben, die gegen ihren Status bei dem Unternehmen vorgegangen sind. Die Kosten dieser Einigungen bezifferte Uber auf bis zu 170 Millionen Dollar.

An seinem Modell will Uber jedoch festhalten. Die Online-Plattform kassiert Vermittlungsgebühren, die fällig werden, wenn ein Fahrer einen Auftrag erhält. Weil zugleich aber die Investitionen in neue Geschäftsfelder wie autonomes Fahren hoch sind, bleibt nichts übrig: 2018 stand ein Verlust von 1,8 Milliarden Dollar zu Buche - bei einem um 42 Prozent höheren Umsatz von 11,3 Milliarden Dollar. (apa/reuters/afp)