Oakland/Leverkusen/St. Louis. Bayer hat sich mit dem Erwerb des Glyphosat-Herstellers Monsanto vor knapp einem Jahr verspekuliert – die mit 63 Milliarden Dollar teuerste Übernahme in der deutschen Geschichte droht zum Milliardengrab zu werden. So mancher Aktionär bangt bereits um den "Fortbestand einer 150 Jahre alten und größtenteils erfolgreichen deutschen Industriegeschichte". Konzernchef Werner Baumann wird sich jedenfalls eine Strategie überlegen müssen, wie er in dem Streit um Kompensations- und Strafzahlungen wegen des krebserregenden Glyphosat-Pestizids "Roundup" in Zukunft verfahren will. Als einzigen Ausweg sehen Juristen Vergleichsverhandlungen mit den Betroffenen und dem US-Justizministerium, doch Baumann lehnt das bisher kategorisch ab. Er bleibt bei seinem ‚Mantra, das Herbizid sei "bei sachgerechter Anwendung ein sicheres Produkt".

Nun verlor der Chemie- und Pharmakonzern aus Leverkusen bereits den dritten Glyphosat-Prozess in den USA. Mehr als 13.400 weitere Klagen sind dort – Stand 11. April – insgesamt anhängig. Und auch in anderen Teilen der Welt fordern Gesundheitsgeschädigte von Bayer Entschädigung.
Für Bayer wird es teuer. Allein der Schadenersatz, den das börsenotierte Unternehmen an das krebskranke Ehepaar Alva und Alberta Pilliod zahlen muss, beträgt mehr als zwei Milliarden Dollar. So entschieden am Dienstag die Geschworenen des Gerichts in Oakland, Kalifornien. Die Begründung war die selbe wie bei den beiden vorangegangenen beiden Prozessen: Monsanto hätte auf die krebserregende Wirkung von Glyphosat bei seinem Produkt "Roundup" hinweisen müssen, habe darauf aber aus Profitgründen verzichtet. Bis 1996 warb der US-Konzern gar damit, dass das Herbizid "biologisch abbaubar" sei. Inzwischen gilt es wissenschaftlich als erwiesen, dass Glyphosat ohne Schutzvorkehrungen für Menschen gesundheitsgefährdend sein kann. Das Paar Pilliod hatte das Mittel, das auch für das Bienensterben mitverantwortlich gemacht wird, jahrzehntelange im Garten eingesetzt.

Der Konzern aus Leverkusen, der gegen die Entscheidung der Jury Rechtsmittel ankündigte, gerät wegen des Justizstreits in den US immer mehr in Bedrängnis: "Bayer steht mit dem Rücken an der Wand", sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer beim Aktionärsverband DSW, zu Reuters. "Das Schicksal liegt jetzt alleine in den Händen der Richter in den Berufungsverfahren."