Wolfsburg. 2016 schien das Thema bereits abgehakt zu sein. "So einen Blödsinn machen wir sicherlich nicht", erklärte der damalige VW-Chef Matthias Müller einigen Journalisten, die nachgefragt hatten, ob Europas größter Autobauer nicht in absehbarer Zeit auch eine eigene Batteriezellenfertigung aufziehen könnte, um für das Elektroauto-Zeitalter gerüstet zu sein. Die hochautomatisierte Produktion sei "schweineteuer" und bringe nur wenige Jobs, sagte Müller damals.

Drei Jahre, nachdem eine eigene Batteriezellenproduktion so energisch vom Tisch gewischt wurde, hat VW mit dem gebürtigen Österreicher Herbert Diess aber nicht nur einen neuen Chef, der voll und ganz auf Elektromobilität setzt. Auch die gesamte Auto-Branche hat turbulente Zeiten mit massiven Umwälzungen hinter sich. So drohen in mehreren deutschen Städten Fahrverbote für Diesel-Pkw, nachdem klar geworden ist, dass die Grenzwerte bei den gesundheitsschädlichen Stickoxiden im Straßenbetrieb oft um ein Vielfaches überschritten werden. Und im weltweit größten Markt für die Autoindustrie ist der Verbrennungsmotor unter Druck geraten, seit die chinesische Regierung eine Elektroauto-Quote ab dem Jahr 2019 beschlossen hat.

Entsprechend soll daher nun auch beim Thema Batteriezellenfertigung alles anders werden. So will der VW-Konzern zusammen mit dem schwedischen Batteriespezialisten Northvolt künftig selbst in Europa produzieren und in den kommenden Jahren zu einem der global führenden Hersteller aufsteigen. Dafür soll bis 2023 zunächst eine eigene Fabrik im deutschen Salzgitter mit 700 Mitarbeitern entstehen. In den nächsten Jahren sollen ihr weitere Produktionsstätten in anderen europäischen Ländern folgen, um den enormen Bedarf an Speicherzellen decken zu können. Für den Standort Salzgitter, an dem VW schon seit einiger Zeit eine Pilotanlage betreibt, hat der VW-Aufsichtsrat am Montagabend bereits Mittel in Höhe von einer Milliarde Euro freigegeben.

Europa hinkt hinterher

Volkswagen ist damit der zweite europäische Autobauer, der im großen Stil in die als Schlüsseltechnologie für die Elektroauto-Wende geltenden Batteriezellenfertigung einsteigt. Vor einigen Tagen hatte bereits der Peugeot-Konzern mit seiner Tochter Opel unter großem Beifall der Politik ein französisch-deutsches Batteriekonsortium aus der Taufe gehoben, an dem sich auch der französische Batteriehersteller Saft beteiligen soll. Bis zu 1,2 Milliarden Euro an Subventionen wollen Frankreich und Deutschland für das Projekt lockermachen, das knapp 3000 Arbeitsplätze in den beiden Ländern sichern soll.