Neben Siemens profitiert das Wiener Straßenbahn-Werk des Technologiekonzerns Bombardier von der Mobilitätswende. Rund 550 Mitarbeiter sind in dem Kagraner Werk beschäftigt. Nach einer kurzzeitigen Krise ist der Standort wieder voll ausgelastet. Gefertigt werden derzeit Garnituren für Wien, Innsbruck, Zürich und Göteborg. Bald starten auch die Produktionen für Brüssel, Manchester und Karlsruhe. Genauso wie Siemens sucht auch Bombardier neue Mitarbeiter.

Christian Diewald, Geschäftsführer von Bombardier Österreich, sagt: "Wachsende Ballungszentren und dichtere Verkehrsaufkommen verlangen nach Mobilität, die effizient ist und gleichzeitig umweltfreundlich. Die Nachfrage nach Straßenbahnen im urbanen Raum steigt merkbar." Die Mobilitätswende auf der Straße bestätigt er. "Wir sehen, dass nachhaltige Mobilitätslösungen für die Bevölkerung wichtiger werden. Die jüngere Generation verzichtet mehr und mehr auf ein eigenes Auto."

Volle Auftragsbücher beim Simmeringer Werk von Siemens. - © Siemens
Volle Auftragsbücher beim Simmeringer Werk von Siemens. - © Siemens

Der Geschäftsführer spricht einen generellen Wandel in Städten an. Durch die Landflucht in urbane Zentren gibt es immer weniger Platz auf den ohnehin schon staugeplagten Straßen. Ein Smartphone erscheint heute wichtiger als der Besitz eines eigenen Autos. Auch die Luftqualität wird zum Politikum, die hohen Abgaswerte von Diesel und Benziner stehen mittlerweile am Pranger.

Mit Digitalisierung, Autonomem Fahren und Elektroantrieb gibt es drei neue Mobilitätskonzepte, die einen neuen Markt eröffnen. Wer sich hier durchsetzt, wird die Mobilität der Zukunft mitbestimmen. Um weiter zu expandieren, sind jedoch jede Menge frisches Geld notwendig.

Zuletzt kündigte Siemens an, seine florierende Bahnsparte an die Börse zu bringen, dorthin, wo sich Uber seit kurzem bereits befindet. Der Andrang an der Wall Street war groß, die Erwartungen hoch. Mit einem riesigen Firmenplakat empfing die New Yorker Börse den digitalen Fahrdienst am Freitag vor einer Woche. Mit 82 Milliarden Dollar wurde Uber bewertet, der Wert lag damit über jenem von Europas potentestem Autokonzern Volkswagen.

Uber kann hohe Erwartungen nicht erfüllen

Die hohen Erwartungen wurden zwar nicht erfüllt, Uber wird mit einem Wert von 72 Milliarden Dollar gehandelt. Doch auch das 516 Milliarden Dollar schwere Facebook konnte bei seinem Börsengang vor sieben Jahren nicht sofort die Erwartungen erfüllen. Uber-Chef Dara Khosrowshahi: "Und schauen Sie, wie sie sich seitdem entwickelt haben." Uber werde denselben Weg einschlagen. "Wir verfügen nun über das Kapital, um den Weg zu besseren Margen und Gewinnen einzuschlagen", schreibt er in einem Mail an seine Mitarbeiter, das Bloomberg vorliegt.

In Miamis Hipsterviertel Wynwood glüht der Asphalt. Samantha hat ihren Versuch, ein Taxi zu rufen, aufgegeben. Ihr Smartphone ist kaputt, sie wird sich ein Fahrrad ausborgen.

In Wiens Außenbezirk Aspern pfeift der Wind. Herbert lächelt, als der selbstfahrende Bus der Wiener Linien an ihm vorbeifährt. Die Hälfte der gekündigten Angestellten des Opel-Werks übernimmt der städtische Öffi-Anbieter. Herbert ist einer von ihnen. Er wird künftig in der Fahrzeugtechnik arbeiten. Aber nicht mehr an Privatautos, sondern an Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen, die jeder benutzen kann.