Angst vor Spionage: Google sanktioniert Huawei. - © reuters/Eric Gaillard
Angst vor Spionage: Google sanktioniert Huawei. - © reuters/Eric Gaillard

Washington/Mountain View. Die US-Regierung hat Huawei auf die schwarze Liste gesetzt, jetzt gibt es die ersten Konsequenzen. Google und weitere amerikanische Technologiekonzerne schränken ihre Zusammenarbeit mit dem chinesischen Netzausrüster und Smartphone-Anbieter ein. Chipkonzerne wie Qualcomm, Broadcom und Xilinx haben ihren Mitarbeitern mitgeteilt, dass Huawei bis auf weiteres nicht beliefert wird, berichtet der Finanzdienst Bloomberg. Der Google-Mutterkonzern Alphabet hat die Bereitstellung von Hardware und einiger Software-Dienste offenbar eingestellt.

Google ist für Huawei ein wichtiger Partner, weil bei dem Internet-Riesen das Mobil-Betriebssystem Android entwickelt wird, mit dem auch die Smartphones des chinesischen Konzerns laufen. Die fertigen Versionen des Systems werden zwar quelloffen allen zur Verfügung gestellt. Außerhalb Chinas werden allerdings fast nur Android-Smartphones mit integrierten Google-Diensten wie GMail, Google Maps oder dem Google Play Store verkauft. Diese Android-Version ist nicht Open Source, sondern muss von Google lizenziert werden. Damit wird ein Ende der Zusammenarbeit mit Google unter anderem die Verkaufschancen von Huawei-Smartphones in Europa drastisch verschlechtern.

Schlüsseltechnologie

Huawei ist einer der weltweit größten Telekommunikations- und Netzwerkausrüster. Die Technik des Konzerns spielt auch beim Aufbau von 5G-Mobilfunknetzen eine wichtige Rolle, die wiederum einer Reihe von Schlüsseltechnologien wie vernetzten Fabriken oder autonomen Fahrzeugen den Weg bereiten sollen.

Die USA befürchten allerdings, dass Huawei-Technik ein Einfallstor für chinesische Spionage und Sabotage sein könnte. Vor allem auf Betreiben der USA stuften zuletzt mehrere Länder das Unternehmen als potenzielle Gefahr für die Cybersicherheit ein. Auch in Deutschland wird über eine mögliche Beteiligung des chinesischen Unternehmens am Ausbau des 5G-Netze kontrovers diskutiert. Die Chinesen selbst verweisen immer wieder auf die generelle Unabhängigkeit Huaweis vom chinesischen Staat. Das Vorgehen gegen Huawei findet vor dem Hintergrund des Handelskonflikts zwischen China und den USA statt.

Google erklärte am Montag, man halte sich an die Anordnungen der US-Regierung und prüfe die Folgen. Zugleich versicherte das Unternehmen, dass es für Nutzer bestehender Huawei-Smartphones keine Einschränkungen bei der Nutzung der App-Download-Plattform Google Play und der Sicherheitsfunktion Google Play Protect, die bösartige Anwendungen herausfiltert, geben werde. Zuvor hatte Reuters über die Android-Einschränkungen berichtet.

Auch die Chip-Lieferungen aus den Vereinigten Staaten sind wichtig für Huawei. Der Konzern entwickelt zwar eigene Prozessoren und Modems für einige Modelle seiner Smartphones, bezieht aber Chips für einen Teil der Telefone von Qualcomm. Bei seiner Netzwerktechnik ist Huawei noch viel stärker auf Chips aus den USA angewiesen. Die Firma habe aber in Vorbereitung auf mögliche US-Sanktionen bereits Halbleiter für mindestens drei Monate eingelagert, berichtet Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen. Der chinesische Huawei-Konkurrent ZTE war im vergangenen Jahr von ähnlichen US-Einschränkungen so schwer getroffen worden, dass die Firma zeitweise ihr internationales Geschäft komplett stoppen musste. Die Sanktionen gegen ZTE wurden später mit einem Deal aufgehoben.

Peking verlangt Mäßigung

US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch Unternehmen seines Landes per Dekret die Nutzung von Telekommunikationstechnik untersagt, die als Risiko für die nationale Sicherheit der USA eingestuft wird. Dazu rief er einen nationalen Notstand in der Telekommunikation aus. Huawei gilt als Hauptziel dieser Maßnahme. Das Unternehmen kritisierte die "unangemessenen Beschränkungen".

Unterdessen hat Peking die Vereinigten Staaten im Streit über die bilateralen Handelsbeziehungen zur Mäßigung aufgerufen. Die jüngsten Beschlüsse der US-Regierung hätten den Interessen Chinas und seiner Wirtschaft geschadet, meinte Chinas Außenminister Wang Yi. Wang habe erklärt, die USA dürften nicht "zu weit" gehen. China sei bereit, Differenzen im Wege von Verhandlungen zu beseitigen, aber dies müsse auf gemeinsamer Augenhöhe geschehen.

Das US-Außenministerium bestätigte lediglich das Telefonat der beiden Minister, gab aber keine Details bekannt.