Leverkusen. Vergangene Woche wurde der Skandal bekannt: Der US-Saatgutkonzern Monsanto soll ab 2016 geheime Liste mit Kritikern geführt haben - zuerst wurde der Fall in Frankreich bekannt. Wie der neue Monsanto-Eigentümber Bayer am Dienstag mitteilte, geht der Konzern derzeit davon aus, dass Monsanto Kritiker-Listen in mindestens sieben Ländern erstellen hat lassen. Laut Bayer habe die PR-Agentur Fleishman Hillard die Listen nicht nur in Frankreich erstellen lassen, sondern auch in Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien und in Großbritannien. Auch eine Liste mit Kritikern um EU-Institutionen soll es geben.

Der Chemiekonzern beauftragte nun die internationale Anwaltskanzlei Sidley Austin damit, die Betroffenen "spätestens Ende der kommenden Woche" zu kontaktieren und nach möglichen weiteren Listen zu suchen. Wie viele Politiker, Wissenschafter und Journalisten auf den Listen standen, konnte Bayer noch nicht sagen.

Anfang Mai war in Frankreich bekannt geworden, dass Fleishman Hillard im Auftrag Monsantos geheime Listen mit Kritikern führten. Laut einem Bericht des Senders France 2 wollte Monsanto die Kritiker "erziehen", besonders hartnäckige Gegner sogar "überwachen".

Bayer arbeitet weiterhin mit Fleishman Hillard in verschiedenen Feldern zusammen. Die Zusammenarbeit in den Bereichen Kommunikation und Lobbying hat der Konzern nun bis auf weiteres beendet. Im Marketing soll sie aber weiterlaufen.

Bayer hatte Monsanto vergangenes Jahr für eine Rekordsumme von 63 Milliarden Dollar (56 Milliarden Euro) gekauft. Der US-Konzern steht bei Umweltschützern seit Jahren in der Kritik, weil er einer der führenden Anbieter gentechnisch veränderten Saatguts sowie glyphosathaltiger Unkrautvernichtungsmittel ist. Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Bayer weist das zurück.(apa/afp)