Berlin/Paris. Die Industriestaaten-Organisation OECD sorgt sich angesichts der zunehmenden Handelskonflikte um die Weltkonjunktur. "Die Aussichten sind weiterhin trübe", sagte die Chefökonomin der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Laurence Boone, zu dem am Dienstag veröffentlichten Wirtschaftsausblick.

Zur Erinnerung: Erst vor einem Jahr sah die OECD die Weltwirtschaft im Aufwind. Das globale Wachstum hätte 2018 mit fast 4 Prozent nahe dem langfristigen Durchschnitt vor der Finanzkrise liegen können. Geworden sind es dann "nur" 3,5 Prozent.

Die OECD hatte allerdings schon damals vor negativen Folgen gewarnt, falls die damals noch frischen Handelskonflikte etwa zwischen den USA und der EU und China weiter eskalieren sollten. Die könne das Wirtschaftswachstum deutlich bremsen, befürchtete die OECD.

Stufenweise Eskalation trotz Warnungen

Doch bekanntlich verhallten die Kassandra-Rufe der OECD ungehört. Die Handelskonflikte, speziell jene zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt, nämlich den USA und China, eskalierte zuletzt in Monatsschritten.

"Diese Handelskonflikte machen sich bemerkbar. Das globale Wachstum wird sich dieses Jahr auf nur noch 3,2 Prozent verlangsamen. 2020 soll es wieder ein wenig an Fahrt aufnehmen mit 3,4 Prozent. Das ist aber noch immer deutlich unter den Wachstumsraten, die wir in den vergangenen drei Dekaden gesehen haben, oder auch noch zuletzt 2017 und 2018", schreibt die OECD in ihrem Economic Outlook.

Während das Wachstum in den vergangenen 18 Monaten global halbwegs gleichförmig verlaufen ist, so tun sich inzwischen wieder Gräben auf: Je nachdem, wie stark ein Land oder Sektor von Handel abhängig ist, desto mehr laufe man Gefahr, ins Hintertreffen zu gelangen.

"Sollten Abwärtsrisiken eintreten oder sich gegenseitig verstärken, könnte das Wachstum deutlich schwächer ausfallen als hier unterstellt", warnte Boone.

Kräftemessen zwischen USA und China kostet 0,6 Prozent

"Zahlreiche Abwärtsrisiken werfen dunkle Schatten auf die Weltwirtschaft und das gesellschaftliche Wohlergehen." Allein die erneuten Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China könnten das globale Wachstum über zwei bis drei Jahre um mehr als 0,6 Prozent schmälern.

Zu den größten Risiken zählten längerfristig höhere Handelszölle zwischen den Vereinigten Staaten und China, zusätzliche Zölle auf den Handel zwischen den USA und der Europäischen Union sowie eine stärkere Konjunkturabkühlung in China. Ungewissheit über den Brexit sowie finanzielle Risiken wegen der hohen Verschuldung und einer sich verschlechternden Kreditqualität könnten das Wachstum ebenfalls dämpfen.