Stuttgart. (dpa) Die Ablöse von Dieter Zetsche beginnt offiziell erst am Mittwochabend. Aber wie das aussieht, wenn der scheidende Vorstandschef eines Multi-Milliarden-Weltkonzerns wie Daimler zwischendurch schon mal ein bisschen das Aufhören übt und anderen den Vortritt lässt, hat man schon beobachten können.

Beim Automobilsalon in Genf etwa, im März war das so. Da stand nicht etwa Zetsche vorn, um vor Journalisten noch einmal im Detail zu erläutern, wie Daimler sich die Zukunft vorstellt. Da stand Ola Källenius. Und Zetsche, der saß etwas abseits auf einem kleinen Hocker, den Blick gesenkt, die Arme verschränkt, und lauschte über Kopfhörer den Worten des neuen Chefs.

Nach 13 Jahren und knapp fünf Monaten an der Spitze des deutschen Autobauers endet nach der Hauptversammlung am Mittwoch die Ära Zetsche bei Daimler - und der Schwede Källenius, bis jetzt Entwicklungschef und schon lange Kronprinz in Stuttgart-Untertürkheim, ist am Zug.

Aus der Krise an die Spitze

Viel gesagt hat Zetsche nicht in all den Monaten, seit sein Abschied angekündigt wurde, immerhin aber, dass er mit sich "total im Frieden" sei. Mit dem 66-Jährigen mit dem markanten Schnauzbart geht auch das Gesicht von Daimler. Der promovierte Ingenieur ist seit mehr als 40 Jahren im Unternehmen und selbst zur Marke geworden. So steuerte Zetsche den Konzern kurz vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 weg vom Abgrund, als er den kriselnden US-Hersteller Chrysler verkaufte. Im darauffolgenden Jahrzehnt krempelte er das Unternehmen um, gewöhnte ihm die Krawatten ab und Sneakers zur Jean an. Der Pkw-Sparte Mercedes-Benz, die lange Zeit unter dem Rentner-Image litt, gelang mit grundlegend neuem, sportlicherem Design und mehr Kompaktwagenmodellen wie SUV die Aufholjagd auf die Konkurrenten BMW und Audi. 2016 war die Marke mit dem Stern wieder der größte Premiumhersteller der Welt. "Er hat eine Perle daraus gemacht", sagt der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Rückläufige Gewinne

Die Rekorde, die Zetsche noch vor einem Jahr verkünden konnte, sind vorerst allerdings passé. Denn der Handelsstreit zwischen China und den USA zeigt Wirkung, dazu kamen Kosten etwa für Dieselrückrufe, Probleme bei der Umstellung auf den neuen Abgastest WLTP und nur noch ein ganz knappes Plus bei den Autoverkäufen. Die Folge: 2018 musste der Konzern einen herben Gewinneinbruch verbuchen. Und weil weiter viel Geld in den Aufbruch ins Elektro-Zeitalter fließt, gleichzeitig aber die Verkaufszahlen bei den aktuellen Modellen nun richtig schwächeln, lief auch der Start ins Jahr 2019 eher mies.