Das britische Pfund stieg am Freitag deutlich. Es reagierte damit auf die Ankündigung von Premierministerin Theresa May, am 7. Juni als Chefin der Konservativen Partei und somit auch als Premierministerin zurückzutreten.

Im Ringen um den Austritt Großbritanniens aus der EU konnte May keine Einigung erzielen. Das von ihr ausgehandelte Brexit-Abkommen war von den Abgeordneten im britischen Parlament dreimal abgelehnt worden.

Langfristig sehen Strategen aber harte Zeiten auf das Pfund zukommen. Für die anfänglichen Kursgewinne am Freitag von bis zu 0,5 Prozent auf 1,2718 Dollar fanden Börsianer vor allem markttechnische Gründe nach den Verlusten der vergangenen Tage.

Die Aussicht auf einen möglicherweise euroskeptischen Nachfolger lasse aber an der Nachhaltigkeit der Kursgewinne zweifeln. "Das Pfund kann sich vorübergehend etwas erholen, es bleibt abzuwarten, wie ihr Nachfolger sich positionieren wird", sagte Devisenexperte Marc-André Fongern vom Handelshaus MAF Global Forex. Wer May nachfolgen soll, steht noch nicht fest.

Tiefststände  drohen

An den Finanzmärkten wird jedoch befürchtet, dass ein härterer Kurs Großbritanniens gegenüber der EU das Pfund in den kommenden Monaten belasten könnte. Als einer der Favoriten für Mays Posten wird Brexit-Befürworter und Ex-Außenminister Boris Johnson gehandelt. Sollte Johnson in Mays Fußstapfen treten, rechnen die Experten des Analysehauses Oanda mit einem Kursrutsch des Pfund bis auf 1,20 Dollar.

"Mit May verschwinden auch alle Hoffnungen auf ein Brexit-Abkommen", sagte Portfoliomanager Mark Dowding vom Vermögensverwalter BlueBay. Ein harter Brexit werde wahrscheinlicher, wobei es für den neuen Premierminister schwer werde, diesen durch das Parlament zu bekommen. "Konsequenterweise steigt das Risiko von Neuwahlen." Dowding rechnet damit, dass das Pfund auf die Tiefststände nach dem Brexit-Abkommen fallen könnte. (apa, dpa-afx, reuters)