London. (wak) Das Hervorholen von Kronen und Tiaras beim Staatsbankett am Vortag hat bei Donald Trump sichtlich Spuren hinterlassen. Bei seiner Pressekonferenz mit der Premierministerin Theresa May lobt Trump zuallererst das Abendessen mit der königlichen Familie und nannte Queen Elizabeth eine "fantastische Person", der er für die Einladung zur Staatsvisite dankte.

Und Trump scheint in der Etikette über Nacht dazugelernt zu haben, er bedankte sich auch artig bei May für die Unterredung und die professionelle Zusammenarbeit in der Vergangenheit. Trump, der notorisch Schwierigkeiten mit May hatte, streute der scheidenden Politikerin sogar Rosen: Es sei eine große Ehre gewesen, mit ihr zusammenzuarbeiten. "Vielleicht werden ihre Verdienste nicht immer angerechnet", sagte Trump, aber sie habe sich sehr um den Brexit-Deal verdient gemacht.

Premierministerin May, die am Freitag ihren Hut nimmt, war ebenso sichtlich entspannter als bei vorangegangenen gemeinsamen Terminen mit Trump. Sie nannte ihn einmal vertraulich "Donald" und lobte, dass er bei den Nato-Mitgliedern Druck mache, damit alle Mitgliedsländer ihre Verteidigungsaufgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen.

Angesichts der Tatsache, dass mit dem nächsten Tag die Feierlichkeiten zum D-Day im britischen Portsmouth beginnen, bei denen auch Trump anwesend sein wird, hob May den historischen Aspekt der Freundschaft zwischen den USA und Großbritannien hervor. Man sei damals, im Zweiten Weltkrieg, Seite an Seite gestanden und würde das auch heute und in Zukunft tun. Die Staatsoberhäupter der beiden Nationen seien so etwas wie die Bewahrer dieser tiefen Freundschaft.

Diese tiefe Freundschaft wird auch zu barer Münze gemacht werden. Solange Großbritannien EU-Mitglied ist, kann London keine bilateralen Handelsverträge abschließen. Aber kaum ist der Brexit vollzogen, können die offiziellen Verhandlungen beginnen. Ein Verbleib in der Zollunion der EU wäre hierfür hinderlich.

Hingegen wäre ein Abkommen mit den USA die Antwort auf alles, so scheint es bei dieser Pressekonferenz.

"Alles ist auf dem Tisch" bei dem neuen Abkommen

Es soll ein "phänomenales Handelsabkommen" werden, mit unglaublichen Potenzial, kündigte Trump an. Es soll im Volumen das Zwei- bis sogar Dreifache des bisherigen Handels ausmachen. Schon jetzt ist Großbritannien der größte Direktinvestor in den USA, erwähnte Trump. Und auch May erklärte, dass jeden Tag eine Million Briten aufstehen, um für US-Konzerne zu arbeiten, und auch gleichzeitig eine Million US-Amerikaner für britische Unternehmen arbeiten.