Peking/Hanoi. (klh) Der Schaden für die asiatische Landwirtschaft kann noch nicht beziffert werden. Nur eines ist schon klar: Er ist immens. Denn in mehreren Ländern grassiert die Afrikanische Schweinepest, und das in einem gewaltigen Ausmaß.

So wurden etwa allein in Vietnam seit Februar zwei Millionen Schweine geschlachtet. Das Zentralkomitee von Vietnams Kommunistischer Partei warnte kürzlich bereits vor "großen wirtschaftlichen Schäden", falls die Lage nicht unter Kontrolle gebracht werden könne. Doch diese sind wohl schon eingetreten: Mehr als die Hälfte der vietnamesischen Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, hunderttausende Haushalte müssen nun Einkommenseinbußen hinnehmen.

Auch andere Länder in der Region sind betroffen, etwa die Mongolei und Kambodscha. Und auch Chinas Schweineindustrie, die im Jahr umgerechnet mehr als 100 Milliarden Euro umsetzt, hat enorm mit der Seuche zu kämpfen. Auch im Reich der Mitte wurden bereits mehr als 1,2 Millionen Schweine geschlachtet.

Keine Gesundheitsgefahr
für den Menschen

Wie das Virus nach Asien gelangt ist, ist unklar, es gibt nur Vermutungen. Und dass man eben nicht die Spur des Virus verfolgen kann, ist einer der Gründe, warum es so schwierig ist, dagegen vorzugehen. Und auch sonst sind Experten äußerst pessimistisch, dass die Seuche bald eingedämmt werden kann.

Denn das Virus ist leicht zu übertragen und es überlebt auch außerhalb der Tiere, etwa auf Kleidungsstücken oder an den Oberflächen von Autos. Die heutige Massentierhaltung, die schon längst auch in Asien Einzug gehalten hat, ist damit ein idealer Nährboden für die Verbreitung der Seuche: Erstens sind die Tiere auf engstem Raum eingepfercht. Zweitens werden sie oft über weite Strecken transportiert, weshalb der Krankheitserreger kilometerweit mitwandert. Auf ein weiteres Problem verweist die Nahrungsmittel- und Agrar-Organisation der UNO (Unfao). Nämlich, dass die Bauern in Asien nicht entschädigt würden, wenn sie ihre Tiere schlachten. Ihre Motivation dürfte deshalb entsprechend gering sein.

Hinzu kommt: Es gibt weder eine Impfung noch ein wirksames Medikament gegen die afrikanische Schweinepest. Die Seuche ist ein umweltpolitisches Thema - sie wirft ein Schlaglicht auf die Zustände in der Fleischindustrie. Und ein wirtschaftliches Thema, weil vor allem die Landwirtschaft Schaden nimmt. Schätzungen zufolge könnte die weltweite Produktion von Schweinefleisch heuer um bis zu zehn Prozent zurückgehen. Und China, das fast die Hälfte des weltweit konsumierten Schweinefleisches produziert, muss nun plötzlich Schweinefleisch importieren.

Das treibt die Preise für Schweinefleisch in die Höhe: Laut einer Auflistung des "Bayerischen Bauernverbandes" ist dieser alleine im April in der Europäischen Union im Vergleich zum März um 17 Prozent gestiegen.

Dabei grassiert die Afrikanische Schweinepest auch in einigen osteuropäischen Staaten. Im September 2018 war sie bei Wildschweinen in Belgien registriert worden und damit erstmals beim aktuellen Ausbruch in Westeuropa angekommen. Doch von dem Ausmaß, das diese Seuche in Asien angenommen hat, ist Europa weit entfernt.