Washington. Was haben der Iran, China und Mexiko gemeinsam? Sie gehören zu den zahlreichen Ländern auf der Welt, die unter Donald Trumps Welthandels-Keule zu leiden haben. Seit einem Jahr hebt der einstige Immobilien-Mogul aus New York die Handelswelt Stück für Stück aus den Angeln. Der US-Präsident nutzt wirtschaftliche Hebel zur Durchsetzung außenpolitischer Interessen. Vor einem Jahr, als Trump nach dem Aufgalopp mit Stahl- und Aluminiumzöllen am 15. Juni auch Sonderzölle auf Einfuhren aus China im Wert von inzwischen fast bescheiden anmutenden 50 Milliarden Dollar (44,2 Milliarden Euro) verkündete, fing alles so richtig an.

Inzwischen tobt ein internationaler Konflikt, der mit Geldflüssen ausgetragen wird. Trump hungert den Iran mit den Mitteln eines Ölembargos aus. Er versucht Russland zu schaden, indem er billiges US-Schiefergas nach Europa schippern lässt. Er subventioniert die eigene Rüstungsindustrie, indem er die Nato-Partner zu mehr Militärausgaben zwingt.

Peking muss Währung stützen

Trump verspricht Nordkorea blühende Landschaften, wenn das kommunistische Land zur Atomabrüstung bereit ist und erschwert Kuba die Einnahmen aus dem Tourismus. In Großbritannien hintertreibt die Trump-Administration erfolgreich Bemühungen, den Brexit zu verhindern oder zumindest abzufedern - und winkt als Gegenleistung mit einem Handelsabkommen für die ausgezehrte Insel. Zuletzt setzte Trump seine innenpolitisch motivierten Interessen an der Grenze zu Mexiko mit Hilfe einer massiven Zollandrohung durch.

Zumindest kurzfristig hat Trump aus seiner Sicht durchaus Erfolg. Er schadet denen, denen er schaden will, viel - und den USA weniger. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat errechnet, dass die weltweite Wirtschaftsleistung im nächsten Jahr um 0,5 Prozent absinken könnte, wenn alle Zollandrohungen zum Tragen kämen. 455 Milliarden Dollar würden dann an weltweiter Wirtschaftsleistung einfach weggewischt. Chinas Wachstum könnte sogar um 1,6 Prozent einbrechen, das der USA um 0,5 Prozent.

Es entbehrte nicht gewisser Ironie, als Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping den US-Präsidenten "meinen Freund" nannte. Ausgerechnet auf russischem Boden, vergangene Woche beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg, wo er gemeinsam mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin Front gegen die USA machte. Mit Trump verbindet Xi Jinping sicher und trotz anderslautender Behauptungen auch Trumps keinerlei Freundschaft - hat ihm dieser doch die größte Krise seiner Herrschaft beschert. China ist der Hauptleidtragende des Handelskrieges, Peking muss inzwischen seine Währung stützen. Hinter den Freundschaftsbekundungen steckt viel Wunschdenken. Denn Xi Jinping weiß, dass gerade alles auf eine "Entkoppelung" der beiden größten Volkswirtschaften und damit auf eine Unterbrechung der Liefer- und Produktionsketten hinausläuft. Seine Hoffnung schwindet, dass ein "Deal" erreicht wird oder die Vereinbarung wirklich zu Frieden im Handelskrieg führt.