Bern. (wak) 0,0 Prozent. So wenig macht der Leitzins im Euroraum aus. Doch für die Schweiz wäre sogar das zu viel - null Prozent Zinsen wären viel zu attraktiv für die globalen Anleger. Denn es scheint die Meinung vorzuherrschen: Das Anlegen in Franken ist praktisch so sicher wie in Goldbarren.

Doch die Nachfrage nach Franken macht die Währung teurer - und die Schweizer Exporte büßen an Wettbewerbsfähigkeit ein.

Und so wehrt sich die Schweizer Nationalbank (SNB) mit Händen und Füßen gegen den Zulauf von außen und nimmt dazu Strafzinsen in die Hand. Am Donnerstag bestätigte die SNB, dass der Leitzins bei minus 0,75 Prozent ist, auch der Zins auf Sichteinlagen bei der Nationalbank wird mit minus 0,75 Prozent geahndet.

Die Geldpolitik der Schweizer bleibt damit unverändert expansiv. Auf diese Weise bleibt die Kreditvergabe angekurbelt, und die Wirtschaft wird weiter angeschoben. Seit vier Jahren setzt die Schweiz auf dasselbe Rezept mit denselben Strafzinsen. Denn: Der Negativzins sowie die Bereitschaft der SNB, am Devisenmarkt zu intervenieren, seien "unverändert notwendig", schreibt die SNB, um die Attraktivität von Anlagen in Franken "tief zu halten" und damit den Druck auf den Franken zu verringern.

Die Schweizer Regierung rechnet für das laufende Jahr weiterhin mit einem unterdurchschnittlichen Wachstum der heimischen Wirtschaft. Die Wirtschaftsexperten des Bundes erwarten im laufenden Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,2 Prozent, wie aus ihrer am Donnerstag vorgelegten Prognose hervorgeht. Die SNB geht von 1,5 Prozent aus. Dafür nahm die Beschäftigung weiter zu, und die Arbeitslosenquote blieb auf tiefem Niveau stabil.

Insgesamt steht die Entwicklung der Volkswirtschaft auf wackeligen Beinen. Die SNB-Ökonomen warnen etwa vor einer starken Abschwächung der internationalen Wirtschaft, und so ein Momentum würde sich rasch auf die Schweiz übertragen.

Als Risikoherde nennt die SNB die internationalen Handelskonflikte und den Budgetstreit zwischen der EU und Italien. Vor wenigen Tagen war die Schweizer Währung zum Euro auf den höchsten Stand seit knapp zwei Jahren gestiegen.

Immobilienblase durch billige Kredite befeuert

Da Kredite (beziehungsweise Zinsen) in kaum einem anderen westlichen Land so billig sind wie in der Schweiz, nimmt auf der anderen Seite die Verschuldung der Privathaushalte massiv zu. Das Geld wird in Betongold gesteckt. Doch das könnte teuer werden: Die Schweizer "Handelszeitung" nannte den Immobilienmarkt im Herbst ein "Pulverfass".

Und so diagnostiziert auch die SNB, dass die Entwicklung am Schweizer Wohnimmobilienmarkt "die größten Risiken" für die Schweizer Banken darstellen. Während die Ungleichgewichte bei den von Eigentümern selbst bewohnten Liegenschaften begrenzt worden seien, hätten die Risiken bei Wohnungen, die als Anlagen gehalten würden, zugenommen. Die Gefahr einer Preiskorrektur sei hoch, so die SNB.

Zum anderen deuten die weiter gestiegenen Leerstände darauf hin, dass der ungebremst anhaltende Bauboom im Bereich der Mietwohnungen zu einem Überangebot geführt haben könnte. Das beeindruckt die Kreditvergabe der inlandorientierten Banken nicht. Der Hypothekarkreditbestand dieser Banken ist im vergangenen Jahr mit rund 4,2 Prozent ununterbrochen stark angestiegen.

Anders gesagt: Ein Platzen der Blase bei gleichzeitigem Zinsanstieg könnte eine Subprime-Krise wie in den USA mit sich ziehen.

Und noch ein an einer ganz anderen Front ziehen dunkle Wolken für die Schweizer Volkswirtschaft auf. Denn die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens mit der EU steht bevor. Das ist die Voraussetzung für die bilateralen Sonderbeziehungen zwischen der EU und der Schweiz, wonach die Schweiz an Teilen des EU-Binnenmarktes teilnimmt.

EU-Kommission macht Druck für Rahmenvertrag

Bis 18.Juni soll die Regierung in Bern das im November ausverhandelte Programm unterzeichnen, forderte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Dienstag kürzlich. Ein Datum, das die "Neue Zürcher Zeitung" "willkürlich" nannte. Nach dem 18. Juni würde die Schweizer Börse ihre Anerkennung in der EU verlieren. Denn die EU hat schon 2017 versucht, der zaudernden Schweiz so Druck zu machen - und hat die Lizenz nur noch befristet vergeben.

Bern will noch nicht unterzeichnen, sondern hat nach Klärung bei einigen Punkten verlangt. Dabei handelt es sich etwa um staatliche Beihilfen und um Lohnschutzmaßnahmen.