Shenzhen. Der chinesische Netzwerkausrüster und Smartphone-Hersteller Huawei erwartet wegen der US-Sanktionen in diesem Jahr sinkende Umsätze. Die Erlöse würden in diesem und im nächsten Jahr bei rund 100 Milliarden Dollar (89 Milliarden Euro) liegen, sagte Konzernchef Ren Zhengfei am Montag auf einer Pressekonferenz in der Firmenzentrale in Shenzen. Der Konzern hatte im vergangenen Jahr noch ein Umsatzplus von fast zwanzig Prozent auf 104 Milliarden Dollar verzeichnet.

Huawei werde die Ausgaben für Forschung und Entwicklung trotzdem nicht kürzen, erklärte Ren. Er erwarte eine Erholung des Geschäfts im Jahr 2021. Und er fügte hinzu: "Ich denke, wir können auf keinen Fall zu Tode geprügelt werden."

Die USA hatten Huawei im Mai auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Trump begründete seine Schritte mit Sicherheitsbedenken gegen Technik aus China. Da die Vorwürfe bisher nicht konkret belegt wurden, sehen viele Experten die Sanktionen im Kontext des Handelskonflikts zwischen den USA und China.

Für Huawei wird die Luft durch die Einschränkungen jedenfalls dünner. US-Chiphersteller, die wichtige Zulieferer sind, können kaum noch Geschäfte mit dem Unternehmen machen. Zudem erschweren die US-Maßnahmen für Huawei den Zugang zum Google-System Android. Die Chinesen hatten deshalb angekündigt, ein eigenes Betriebssystem für Smartphones auf den Weg bringen zu wollen.

US-Unternehmen drängen auf Lockerung

US-Unternehmen zeigen sich mit der Situation daher ebenfalls unzufrieden. Führende Chipkonzerne drängen die Regierung in Washington Insidern zufolge bereits zu einer Lockerung des Geschäftsverbots. Spitzenmanager von Intel und des Rivalen Xilinx hätten dazu Ende Mai hinter den Kulissen Gespräche im Handelsministerium geführt.

Auch Qualcomm habe sich deswegen an das Ministerium gewandt, berichteten mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Unternehmen argumentierten, dass Huawei-Produkte wie Smartphones und Computerserver gängige Teile verwendeten und es wahrscheinlich dabei nicht die gleichen Sicherheitsbedenken gebe wie bei der Ausrüstung für das neue 5G-Mobilfunknetz. "Es geht hier nicht darum, Huawei zu helfen. Es geht darum, Schaden für amerikanische Unternehmen abzuwenden", sagte ein Insider.

Von den 70 Milliarden Dollar (62,14 Milliarden Euro), die Huawei 2018 für den Kauf von Komponenten ausgegeben hatte, gingen rund elf Milliarden Dollar an US-Unternehmen wie Qualcomm, Intel und Micron Technology. (reu/dpa/apa)