Wien/Rom. (wak) Das Binnenland Österreich lässt sich den Dosenfisch etwas kosten. 2018 sind 115,4 Millionen Euro an Fischkonserven verkauft worden. Das ist wertmäßig fast so viel wie Tiefkühlfisch (131 Millionen Euro).

Zum Vergleich: Der Markt für Nudeln in Österreich, einem Allerweltsprodukt, mit dem ganze Regalwände im Supermarkt gefüllt sind, wird mit nur 98,7 Millionen Euro im Jahr beziffert.

Rund 72.000 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte werden im Jahr nach Österreich importiert, die Alpenrepublik selbst produziert nur knapp 4000 Tonnen Fisch.

Die UNO macht alle zwei Jahre Untersuchungen und kam zuletzt zu dem Schluss, dass 33 Prozent der globalen wirtschaftlichen Fischbestände überfischt sind, weitere 60 Prozent sind bereits an ihre maximale nachhaltige Grenze befischt und nur sieben Prozent hätten noch Potenzial zum Ausbau.

Vom beliebten Thunfisch, der oft in Metalldosen im Supermarkt gestapelt wird, isst jeder Österreicher im Schnitt 0,8 Kilo im Jahr.

Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen warnen seit langem: Hände weg vom Thunfisch. Essen wir also zu viel Thunfisch?

Diese Frage will der Meeresexperte von WWF Österreich, Axel Heine, nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Bei einem Pressegespräch im Zuge einer Nachhaltigkeitsoffensive des Thunfischproduzenten Rio Mare stellt Heine die Herkunft des Doseninhalts in den Vordergrund: Hauptsache, der Thunfisch ist aus einem nachhaltigen Fang.

"Der WWF ist eine lösungsorientierte Organisation", sagt Heine. So lässt sich auch die Zusammenarbeit mit Rio Mare 2016 erklären. Dass die Menschheit im größeren Stil auf Thunfisch verzichten könnte, das denkt hier niemand laut an.

Bis 2024 will Rio Mare alle Produkte, sei es Thunfisch oder seien es andere Fischarten wie Lachs, Makrelen und Sardinen, aus nachhaltigem Fischfang bestreiten. Der WWF unterstützt das.

Wie erkennt der Konsument ein nachhaltiges Meeresprodukt?

Dabei helfen Siegel. Das umfassendste bei Wildfang ist derzeit das MSC (Marine Stewardship Council). Das Pendant für Zuchtfisch ist übrigens ASC (das A steht für Aquakultur).

Siegel als Anhaltepunkt

Bei dem MSC wird der Theorie nach der Fang nach drei Kriterien beurteilt: Handelt es sich um eine gefährdete Art in einem gefährdeten Teil des Meeres? Die Thunfisch-Unterart Skipjack, oder auch Echter Bonito, der in den meisten Dosen in Österreich zu finden ist, gilt in Teilen des Meeres als noch nicht gefährdet.

Ein weiteres Kriterium ist die Fangmethode. Mit Angelrute und Leine ("Pole and Line") wird der Beifang minimiert. International geht man etwa von 40 Millionen Tonnen an Beifang aus - dazu zählen kleine Fische, große Haie und alles Meeresgetier dazwischen, dass das Pech hatte, sich in ein - riesiges - Netz zu verirren. Die meisten überleben es nicht und werden zurück ins Meer geworfen. Das Ökosystem wird dadurch ins Wanken gebracht. Der tote Fisch wird als Nahrungsquelle für andere Fische zerstört.

Das dritte Kriterium für ein MSC-Siegel ist eine gut gemanagte Fischerei, die etwa auch illegal Fänge nicht zulässt. Der WWF geht davon aus, dass jeder vierte gefangene Fisch illegal ist - also etwa außerhalb der erlaubten Quoten. Beim Thunfisch schätzt man die Quote auf zehn bis fünfzehn Prozent.

Bisher sind weltweit nur 25 Prozent der Thunfischproduktion MSC-zertifiziert. Und immer wieder ist von schwarzen Schafen die Rede, die zu Unrecht zertifiziert worden sind. Ja, die gibt es, räumt Heine ein. Aber das MSC-Siegel will er sich nicht schlecht reden lassen: "95 Prozent der MSC-Fischereien sind in Ordnung", meint Heine. Viele Umweltschutzorganisationen, auch der WWF selbst, machen sich zwar für die Überarbeitung der MSC-Kriterien stark. Trotzdem: MSC sei derzeit der beste Standard im Wildfang.

Weltweit werden fünf Millionen Tonnen Thunfisch offiziell gefangen. Rio Mare hat dabei einen Anteil von 15 Prozent. Stärkster Thunfischfabrikant ist übrigens die Thai Union Group, die in Österreich mit der Marke John West vertreten war und nun in Thailand für die diversen Supermärkte Eigenmarken produziert.

So wie Österreich bei Bio-Lebensmitteln als Vorreiter gilt, hat sich die Alpenrepublik auch bei Thunfisch in gewisser Weise einen Namen in der Branche gemacht: In Österreich gibt es laut Rio Mare de facto nur noch die Fangmethode Pole and Line im Thunfischbereich. Für ein zusätzlich MSC-Siegel muss der Konsument nur noch rund 10 Prozent mehr zahlen.