Sao Paulo. Brasiliens Skandalkonzern Odebrecht ist pleite. Das einstige Vorzeigeunternehmen des aufstrebenden Schwellenlandes hatte in den vergangenen Jahren vor allem mit Schmiergeldzahlungen an Politiker für Schlagzeilen gesorgt. Man erkaufte sich damit lukrative Staatsaufträge in Brasilien und mehreren Nachbarländern. Die Causa wuchs sich zum größten Korruptionsskandal Lateinamerikas aus, das von deutschen Einwanderern gegründete Unternehmen wurde zu Milliarden Dollar Strafzahlungen verdonnert. Jetzt geht dem von deutschen Einwanderern gegründeten Mischkonzern das Geld aus.

Am Montag stellte Odebrecht einen Insolvenzantrag. Das Unternehmen wolle Schulden in Höhe von 51 Milliarden Reais (11,67 Milliaden Euro) restrukturieren, teilte die Firma mit. Laut Medien handelt es sich um die größte Firmenpleite in Brasiliens Wirtschaftsgeschichte.

Der in São Paulo eingereichte Antrag gelte für den Mutterkonzern Odebrecht S.A. und eine Reihe von Tochtergesellschaften, teilte der Konzern mit. Andere Firmenteile wie beispielsweise die Petrochemie-Sparte Braskem S.A. seien von dem Insolvenzverfahren zunächst nicht betroffen.

Zunächst werde die Firma ihre wirtschaftlichen Aktivitäten fortführen und versuchen, sich finanziell zu stabilisieren, hieß es in der Mitteilung von Odebrecht. Ziel sei es, möglich viele der verbliebenen Arbeitsplätze zu erhalten. Aufgrund der schleppenden Wirtschaftsentwicklung und der juristischen Probleme des Großkonzerns war die Belegschaft in den vergangenen fünf Jahren bereits von 180.000 Mitarbeitern auf zuletzt 48.000 Beschäftigte zusammengestutzt worden. Nun droht eine weitere Kündigungswelle.

"Angesichts der bevorstehenden Fälligkeit mehrerer Kredite, des Auftretens unvorhersehbarer Ereignisse und der jüngsten Angriffe auf das Vermögen des Unternehmens hat die Geschäftsführung entschieden, dass der Insolvenzantrag die beste Möglichkeit ist, um die Firma zu stabilisieren und fortzuführen", hieß es in der Mitteilung des Unternehmens.

Knapp 800 Millionen Schmiergelder gezahlt

Gemeint sind vor allem die hohen Strafzahlungen, zu denen der Konzern wegen der Bestechungsgelder verdonnert worden war. Insgesamt soll Odebrecht nach Schätzungen der US-Justiz Politiker, hohe Beamte, Parteien und Manager in der Höhe von umgerechnet rund 785 Millionen Dollar geschmiert haben. Die illegale Taktik erwies sich zunächst als lukrativ. Odebrecht war an Großbauprojekten wie dem Simón-Bolívar-Flughafen in Caracas, der Grand-Parkway-Autobahn in Texas und der Renovierung des Maracanã-Fußballstadions in Rio de Janeiro maßgeblich beteiligt.

Als der Skandal bekannt wurde und 2015 der Chef von Odebrecht verhaftet wurde, löste dies in Lateinamerika ein politisches Beben aus. Einige mussten hochrangige Politiker mussten im Zuge der Aufarbeitung des Skandals ihre Ämter räumen, darunter Perus Staatschef Pedro Pablo Kuczynski. Sein Vorgänger Alan García erschoss sich im April, als die Polizei ihn verhaften wollte. In Ecuador wurde der ehemalige Vize-Präsident Jorge Glas wegen Bestechlichkeit zu sechs Jahren Haft verurteilt. Auch in Argentinien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Panama, Guatemala, Mexiko, der Dominikanischen Republik, Angola und Mosambik soll Odebrecht kräftig Staatsaufträge "gekauft" haben. In den Strudel geriet auch Brasiliens konservativer Ex-Präsident Michel Temer. Die Aufarbeitung des Skandals ist auch fünf Jahr nach Beginn nicht abgeschlossen.

2016 bekannte sich der Konzern in den USA schuldig und nahm eine Strafe in Höhe von 3,5 Milliarden US-Dollar hin. Es handelte sich damals um die größte Strafsumme, auf die sich die Prozessbeteiligten jemals in einem internationalen Korruptionsfall geeinigt hatten.

Weitere Strafzahlungen in Milliardenhöhe drohen

Im Juli vergangenen Jahres einigte sich Konzern mit der brasilianischen Justiz im Rahmen eines Vergleichs auf eine Strafzahlung in Höhe von 2,7 Milliarden brasilianischen Real (rund 600 Millionen Euro). Für die Abzahlung der Summe wurde Odebrecht zwar ein Zeitrahmen von 22 Jahren eingeräumt. Doch es drohen dem Baukonzern weitere Pönalen in Höhe von umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro an die USA, die Schweiz und Brasilien. Verschärft wird die Lage durch die neue Skepsis der Kreditgeber, die es für dem Unternehmen immer schwieriger macht, sich Geld für die Refinanzierung seiner Schulden zu beschaffen.