Le Bourget. Airbus stemmt sich mit einer Flut neuer Aufträge gegen die gedämpfte Stimmung in der Luftfahrtbranche. Der europäische Flugzeugbauer sackte am zweiten Tag der Pariser Luftfahrtausstellung in Le Bourget mehrere milliardenschwere Aufträge ein, unter anderem für seine erst einen Tag zuvor vorgestellte Version des Airbus A321 mit größerer Reichweite.

Dabei trübt sich die Lage bei vielen Fluggesellschaften gerade ein, und das anhaltende Startverbot für den Verkaufsschlager von Boeing, die 737 MAX sorgt in der Branche weiter für Verunsicherung. Umso größer war die Erleichterung beim Airbus-Erzrivalen aus den USA, als Korean Air am Dienstag 20 Boeing 787 Dreamliner mit einem Listenpreis von 6,3 Milliarden Dollar (5,6 Milliarden Euro) bestellte.

Angriff auf Boeing

Airbus heimste eine 6 Milliarden Dollar schwere Order der philippinischen Cebu Air über 36 Flugzeuge ein, darunter zehn A321XLR. Cebu Pacific ist im Inlandsflugverkehr in der Inselgruppe Marktführer vor Philippine Airlines. Die eigentlich für Kurz- und Mittelstrecken konzipierten A321-Modelle können in der XLR-Version längere Distanzen ohne Zwischenstopp überwinden als bisher. Sie passen damit gut in den Branchentrend, auch für längere Strecken kleinere Flugzeuge einzusetzen, um flexibler auf Schwankungen in der Auslastung zu reagieren.

Mit einer Reichweite von 8.700 Kilometern kann das Flugzeug etwa 15 Prozent weiter fliegen als der klassische A321. Airbus will mit dem A321XLR einem geplanten Boeing-Modell für dieses Marktsegment das Wasser abgraben, das noch nicht auf dem Markt ist.

Das Warten auf die Auslieferung

Auch von den 30 Flugzeugen aus der A320-Familie, die Saudi Arabian Airlines am Dienstag zum Listenpreis von 3,3 Mrd. Dollar orderte, sind 15 A321XLR. 35 von den Arabern bestellte Maschinen warten noch auf Auslieferung. Zudem ließen sich die Araber Optionen auf 35 weitere A320neo einräumen. Laut Insidern verhandeln auch American Airlines und der Flugzeug-Leasing-Gigant Gecas über Aufträge für den Airbus A321XLR.

Asien mit seiner wachsenden Mittelschicht trägt die Hoffnungen der Flugzeugbauer, dass der jahrzehntelange Boom trotz der Überkapazitäten, einer schwächelnden Konjunktur und weltpolitischen Spannungen doch nicht abflaut. So wandelte die malaysische AirAsia in Le Bourget Aufträge für 253 A320neo-Maschinen in das größere A321neo-Modell.

Experten erwarten in Le Bourget weniger Aufträge für Boeing und Airbus als in den vergangenen Jahren. Bei beiden haben sich heuer bisher Neubestellungen und Stornierungen in etwa die Waage gehalten. Boeing hatte am Montag seine Prognose für den Flugzeug-Weltmarkt für die nächsten 20 Jahre erhöht.(apa/reuters)