Wien. (kle) Die Zahl der Firmenpleiten in Österreich ist im ersten Halbjahr de facto konstant geblieben. Nach vorläufigen Daten meldeten insgesamt 2587 Unternehmen Insolvenz an - fast genauso viel wie in der ersten Hälfte des Vorjahres (2584), wie der Gläubigerschutzverband "KSV1870" am Dienstag mitteilte. "Niedrige Zinsen und eine schleppende Konjunktur können sich noch die Balance halten", hieß es weiter.

Die Passiva der Pleite-Firmen waren im Halbjahr leicht rückläufig. Nach einer Hochrechnung des "KSV1870" schrumpften sie um 1,4 Prozent auf 895 Millionen Euro. Stärker rückläufig - um knapp zehn Prozent auf rund 8300 - war indes die Zahl der betroffenen Dienstnehmer.

Baubranche hatte die meisten Insolvenzfälle

Die bisher größte Unternehmensinsolvenz im heurigen Jahr war jene der im Metallbau tätigen Firmengruppe SFL mit Passiva von 92,1 Millionen Euro, gefolgt von dem Folienproduzenten Alufix mit 41,0 Millionen Euro. Nach Angaben des "KSV1870" gab es in der ersten Jahreshälfte insgesamt 16 Insolvenzen mit Passiva von mehr als 10 Millionen Euro - also Großverfahren - und damit doppelt so viele wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Nach der Zahl der Fälle führt die Baubranche die Insolvenzstatistik mit 432 Fällen an. Nach der Höhe der Passiva liegt jedoch die Maschinen- und Metallbranche vorne - mit 178,2 Millionen Euro. Unter den Bundesländern hatte Wien im Halbjahr mit 862 Firmenpleiten die mit Abstand meisten Insolvenzfälle. Die wenigsten Pleiten gab es demgegenüber in den beiden kleinsten Bundesländern, dem Burgenland (108 Fälle) und Vorarlberg (75).

Zum Ausblick auf den weiteren Jahresverlauf hält der "KSV1870" fest, dass die Konjunktur zunehmend an Schwung verliere, sodass im zweiten Halbjahr mit keinem markanten Rückgang bei den
Insolvenzen gerechnet werden dürfe. "Insgesamt werden die Insolvenzen des Jahres 2019 daher keinesfalls unter 2018 zu liegen kommen - eher geringfügig darüber, was schon durch die doch markant gestiegenen Großfälle indiziert ist." Im vergangenen Jahr gab es in Summe knapp 5000 Unternehmensinsolvenzen.

Rückgang bei Privatkonkursen

Verharrte die Zahl der Pleiten bei Firmen in der ersten Hälfte 2019 auf dem Vorjahresniveau, war sie bei den Privatpersonen rückläufig. Laut "KSV1870" nahmen insgesamt 5082 Personen eine Regulierung ihrer Schulden in Angriff - ein Minus von 7,1 Prozent. Die Schulden sanken sogar noch deutlicher - um fast ein Drittel. Wobei im Durchschnitt auf jede Person Schulden in der Höhe von zirka 143.000 Euro entfielen.

"Die Novelle 2017 dürfte in der Realität angekommen sein", heißt es beim "KSV1870". "Die Verfahren nehmen ab, liegen aber immer noch spürbar über dem Niveau der Jahre vor der Novelle. Damit konnte augenscheinlich eines der Ziele der Novelle 2017 erreicht werden: ein leichterer Zugang zur Schuldenregulierung."