Rom. Italien ist seit 2015 mit einem beispiellosen Geburtenrückgang konfrontiert. Im Vorjahr wurde ein neues Rekordtief erreicht: Ein Fünftel weniger Kinder als noch vor zehn Jahren. 2018 kamen 439.000 Kinder zur Welt, das sind fast 140.000 weniger als 2008, so das Statistikamts Istat. Damit kamen so wenige Kinder wie zuletzt im Ersten Weltkrieg zur Welt.

Der Geburtenrückgang ist ein Trend, der sich seit Jahren manifestiert. Die italienische Politik hat versucht, mit der Aufstockung der Familienförderung dagegen zu wirken, bisher aber offenbar ohne Erfolg.

Die Bevölkerung wird immer älter. 2,2 Millionen Italiener sind über 85, sie machen 3,6 Prozent der Bevölkerung aus. Wegen der schwierigen Wirtschaftslage im Land bleiben immer mehr junge Erwachsene im Elternhaus. 9,6 Millionen Italiener zwischen 20 und 34 Jahren leben noch bei den Eltern.

Für die wirtschaftliche Entwicklung ist die demografische Lage noch zusätzlich bedenklich. Als Daumenregel wird angenommen, dass das Bruttoinlandsprodukt zumindest in der Größe ihrer Bevölkerung wächst. 

Italiens Wirtschaft schrumpft im zweiten Quartal 

Und in Sachen Konjunkturentwicklung geht es der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone wahrlich nicht rosig. 

Italiens Wirtschaft dürfte nach Einschätzung von Experten im laufenden zweiten Quartal wieder schrumpfen. Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario sei "relativ hoch", teilte das Statistikamt des Landes diese Woche mit.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone hatte sich erst im ersten Quartal mit einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent aus der Rezession gekämpft. Auch im Gesamtjahr 2019 wird nicht mit einer großen Dynamik gerechnet. Das Statistikamt geht von 0,3 Prozent Wachstum aus, die Regierung in Rom von 0,2 Prozent.

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte hatte zuvor in einem Brief an die EU-Partner dennoch ein positives Bild der Lage gezeichnet, obwohl die EU-Kommission wegen der Haushaltspläne der populistischen Regierung mit Strafen droht. Italien wolle eine Konfrontation mit Brüssel vermeiden. Das Haushaltsdefizit für 2019, das sich auf 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung belaufen dürfte, werde "signifikant besser" ausfallen als vorhergesagt. Das strukturelle Defizit werde sich zudem nächstes Jahr um 0,2 Prozentpunkte verbessern. Italien ist nach Griechenland das am stärksten verschuldete Land der Eurozone, was Investoren an den Finanzmärkten nervös macht. (apa)