New York/London. (leg) Der Gerade-noch-nicht-Krieg zwischen dem Iran und den USA hat an den Märkten für Nervosität gesorgt. Die Ölpreise sind am Freitag deutlich gestiegen und haben damit an den kräftigen Preissprung vom Vortag angeknüpft. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete gegen Mittag 65,60 US-Dollar (58 Euro). Das waren um 1,15 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 73 Cent auf 57,80 Dollar. Zeitweise erreichte der Brent-Preis bei 65,76 Dollar den höchsten Stand seit Ende Mai. "Ausschlaggebend sind die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und vor allem das amerikanisch-iranische "Kräftemessen" am Arabischen Golf, dem wichtigsten Produktionsstandort und Transportknotenpunkt der Welt", hieß es in einer Analyse von Rohstoffexperten der Commerzbank.

Die Ölpreise sind in dieser Woche spürbar angestiegen. In der Golfregion liegt mit der Meerenge von Hormus ein Nadelöhr für den Rohöltransport.

Gold steigt an - nicht nur aufgrund der Kriegsgefahr

Der Iran hat mehrfach gedroht, die Seestraße zu blockieren. Mit einer spürbaren Entspannung der Lage ist nach Einschätzung der Commerzbank-Experten nicht zu rechnen: Schließlich hat der Iran angekündigt, ab nächster Woche die Anreicherung von atomwaffenfähigem Material fortzusetzen.

Die krisenhafte politische Entwicklung hat auch Auswirkungen auf den Goldpreis: Das Edelmetall, das als der klassische sichere Rückzugsort in unruhigen Krisenzeiten gilt, stieg am Freitag in der Gunst der Anleger. Der Preis für eine Feinunze Gold (rund 31,1 Gramm) kletterte bis auf 1411 US-Dollar. Das ist der höchste Stand seit September 2013. In Euro gerechnet wurde der höchste Preis seit April 2013 erreicht. In der Spitze kostete eine Feinunze Gold am Freitag 1248 Euro.

Der Grund für das Ansteigen des Goldpreises liegt nicht nur in der aktuellen Kriegsgefahr. Auch die lockere Geldpolitik der Zentralbanken spielt eine Rolle. Die US-Notenbank Fed hat in dieser Woche ihre Bereitschaft durchblicken lassen, ihre Leitzinsen zu verringern. Die Aussicht auf fallende Zinsen kommt Gold zugute, weil das Edelmetall im Gegensatz zu vielen anderen Anlagen keine regelmäßigen Erträge wie Zinsen abwirft. Hinzu kommen die zahlreichen Handelskonflikte, insbesondere der Zoll- und Technologiestreit zwischen den USA und China.

Fluglinien umfliegen
die Straße von Hormus

Folgen hat der iranisch-amerikanische Konflikt auch für den internationalen Flugverkehr. Zuerst untersagte die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA amerikanischen Fluggesellschaften die Nutzung des vom Iran kontrollierten Luftraums über der Straße von Hormus und dem Golf von Oman. Dann passten zahlreiche internationale Fluglinien, etwa die deutsche Lufthansa, ihre Flugrouten entsprechend an und kündigten an, die Straße von Hormus zu umfliegen. Die österreichische Fluglinie Austrian Airlines (AUA) fliegt zwar ohnehin nicht über das Gebiet, hält sich aber ebenfalls an diese Vorsichtsmaßnahmen. "Die Flüge nach Teheran oder Isfahan haben wir aber nicht eingestellt", betont AUA-Sprecher Leonhard Steinmann gegenüber der "Wiener Zeitung". Teheran und Isfahan liegen weit nördlich der Straße von Hormus. "Wir bewerten die Situation nach dem jeweilige Status Quo. Wenn die Lage unsicher wird, werden wir reagieren, erklärte Steinmann.