Brüssel/Brasilia. (wak) Es ist beides für die Umwelt nicht ideal: Weder die Abholzung des Regenwaldes. Noch die unzähligen Containerschiffe, die die Weltmeere durchkreuzen, um billige Waren von hüben nach drüben zu bringen.

Die transnationale Container-Schifffahrt wird uns - mit oder ohne Zölle - als Konstante im globalen Wirtschaftsleben auf unbestimmte Zeit begleiten.

Die Abholzung des Regenwaldes gilt dagegen als unwiederbringlich, und würde die Atmosphäre der ganzen Erde stückchenweise verändern.

Und 60 Prozent des Amazonas-Regenwaldes entfallen auf das größte Land Südamerikas: Brasilien.

Nach Angaben des früheren brasilianischen Umweltministeriums wurden zwischen August 2017 und Juli 2018 insgesamt 7900 Quadratkilometer Wald abgeholzt. Das entspricht einer Fläche von mehr als einer Million Fußballfelder. Und geschah zu einem Zeitpunkt, als Brasilien längst die Pariser Klimaziele ratifiziert hat, die der konservative Präsident Michel Temer zu nationalem Gesetz gemacht hatte.

Dann wurde mit 2019 der Rechtspopulist Jair Bolsonaro Präsident. Und kündigte nicht nur an, dass mehr oder weniger alle Brasilianer Waffen tragen sollen. Er versprach auch - wie es Donald Trump in den USA vorgemacht hatte - aus dem Pariser Klima-Abkommen auszusteigen.

Das umstrittene Dekret, dass von Politikern über Landwirten bis hin zu Lkw-Fahrern das Waffentragen erlaubt hatte, wurde mittlerweile Ende Juni zurückgezogen. Und der Ausstieg aus den Pariser Klimazielen? Der ist immerhin noch nicht vollzogen. Die Drohung an und für sich dürfte aber Bewegung in die Verhandlungen zwischen der EU und dem südamerikanischen Wirtschaftsraum Mercosur gebracht haben. Grundsätzlich wird seit 1999 zwischen den vier südamerikanischen Ländern - Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay - und der EU verhandelt. Zwanzig Jahre bedurfte es offenbar keiner Eile.

Doch plötzlich sind am Rande des G20-Gipfels im japanischen Osaka Nägel mit Köpfen gemacht worden.

Wie es dazu gekommen ist, dazu existieren zwei Versionen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, dass im bilateralen Gespräch Bolsonaro seine Verpflichtung gegenüber den Klimaschutz-Zielen sowie den Kampf für die Biodiversität garantiert habe.

Laut Macron war die Garantie Bolsonaros in Umweltfragen das entscheidende Schlüsselelement für die Unterzeichnung des Abkommens zwischen der EU und dem Mercosur. "Es war die entscheidende Bewegung in der finalen Phase der Verhandlungen", zitiert der brasilianische "Globo" Macron.

Das Handelsabkommen zwischen der EU und Mercosur sieht vor, dass sich die unterzeichnenden Staaten dazu verpflichten, das Pariser Klimaabkommen effektiv zu implementieren. Dazu müssen die Staaten ihre Emissionen verringern.

Macron erklärte, dass Frankreich das Freihandelsabkommen blockiert hätte, wenn Brasilien aus den Pariser Zielen aussteigen würde. Bolsonaro traf sich später neben Macron auch mit Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel zu dem Thema.

Bei einer Pressekonferenz klang Bolsonaro dann etwas anders. Er habe in den Gesprächen mit Macron und Merkel diese "Umweltschutz über alles"-Denkweise kritisiert. Die beiden Europäer hätten da ganz große Augen gemacht. "Ich habe von der Umwelt-Psychose geredet", so Bolsonaro. Er habe Merkel und Macron eingeladen, den Amazonas zu besuchen, dann können sie selbst sehen, dass es diese starke Abholzung nicht gar nicht gäbe.

Man bleibt dabei, aber vielleicht ohne Ambitionen

Bleibt Brasilien nun während Bolsonaros Amtszeit im Pariser Abkommen? "Wir sind derzeit dabei", sagte Bolsonaro, recht vage. Und: Brasilien könne keinesfalls mit allen Zielen des Pariser Abkommens mithalten. Aber das mache Deutschland ja auch nicht. Pro Kopf gerechnet stoße Deutschland viermal so viel Kohlendioxid aus wie Brasilien.

Dafür hat Medienberichten zufolge seit Anfang des Jahres Brasiliens Agrarministerium 239 neue Pestizide zugelassen, davon sind einige in der EU verboten.

Bei dem Abkommen mit der EU wird das Handelsvolumen bei landwirtschaftlichen Produkten zum Teil mit Quoten gedeckelt. Das ist etwa der Fall bei Hühner- und Rindfleisch, Honig und Ethanol.

Die Einfuhr von Rindfleisch zu günstigen Konditionen wird mit 99.000 Tonnen pro Jahr gedeckelt. Das sind etwa 1,25 Prozent des gesamten Rindfleisch-Konsums der EU.

2018 importierte die EU bereits 270.000 Tonnen Rind- und Kalbsfleisch aus der Mercosur-Region. Es werde Übergangsfristen geben, um Europas Landwirte bei der Umstellung zu begleiten.