Nun ist auch Nigeria mit dabei. Der mit rund 190 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Staat des Kontinents ist dem Afrikanischen Freihandelsabkommen AfCFTA (Africa Continental Free Trade Area) beigetreten. Das westafrikanische Land hatte lange Zeit große Bedenken gegen das Abkommen. Es fürchtete, dass billige Konkurrenz aus anderen Staaten heimische Betriebe gefährdet. Am Ende meinte Nigerias Regierung aber, dass sie das Abkommen lieber mitgestalten wolle als draußen vor der Tür zu stehen.

Sonst wird dieses ambitionierte Projekt aber von viel Zustimmung, sogar von einer gewissen Euphorie begleitet. Bis auf das abgeschottete Eritrea sind alle Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union (AU), und damit 54 Länder, dem Abkommen beigetreten. Dieses ist nun in seine "operative Phase" eingetreten, verkündete die AU am Sonntag bei ihrem Gipfel in Nigers Hauptstadt Niamey. AU-Kommissionspräsident Moussa Faki Mahamat, sprach von einem "historischen Moment".

Das Rohstofflager der Welt

Die Politiker erwarten sich viel von der - was die immense Fläche des Kontinents und seine 1,2 Milliarden Einwohner betrifft - größten Freihandelszone der Welt. Die AU schätzt, dass der Binnenhandel durch das Abkommen bis 2022 um 60 Prozent anwachsen wird. Und das ist auch bitter notwendig: Derzeit entfallen nur rund 16 Prozent des afrikanischen Handels auf den Kontinent selbst, der Rest geht nach außen. Afrika ist ein großes Rohstofflager, das etwa mit seinem Erdöl die Weltwirtschaft schmiert, ohne dass die Afrikaner selbst bisher viel davon profitiert haben.

Auch Ökonomen und Entwicklungsexperten verweisen darauf, dass für mehr Wohlstand der innerafrikanische Handel gestärkt werden müsse - betonen dabei aber, dass das Freihandelsabkommen nur ein Baustein von vielen sein kann. Darüber hinaus bräuchte es bessere Handelsabkommen mit der EU, den USA oder China - denn diese sind oft nicht zum Vorteil Afrikas. Dieses Ziel kann Afrika eher erreichen, wenn die Länder geschlossen auftreten - wozu die gemeinsame Freihandelszone ein Anstoß sein könnte.

Viele Details sind noch offen

Zudem muss die Korruption bekämpft werden, müssen lokale Unternehmer gefördert werden, muss sich Afrika viel stärker industrialisieren. Und es braucht eine bessere Infrastruktur. Denn holprige Straßen und langes Warten an den Grenzen sorgen für hohe Mehrkosten beim Transport.

Das Freihandelsabkommen soll in einem Jahr in Kraft treten. Noch viele Detailfragen, etwa über das künftige Zollregime, müssen geklärt werden. Dass das gelingt und der Vertrag mit Leben gefüllt wird, ist Voraussetzung dafür, dass das Abkommen mehr sein kann als ein weiteres großes Versprechen für Afrika.