Frankfurt/Sydney/Hongkong. Die Deutsche Bank macht bei ihrem beispiellosen Stellenabbau Nägel mit Köpfen. In Asien begann die Kündigungswelle Montagfrüh, in Hongkong und Singapur wurden ganze Teams vor die Tür gesetzt. "Die halbe Etage ist weg und die anderen warten nur darauf, dass sie einbestellt werden", sagte ein Aktienhändler in Hongkong.

Er sei zusammen mit anderen gekündigten Kollegen direkt aus dem Gebäude geführt worden. Auch in London und den USA begann der Kahlschlag.

Die Deutsche Bank hatte am Sonntag den Abbau von weltweit 18.000 Jobs verkündet - jede fünfte Stelle fällt weg. "Das ist schmerzhaft, aber unvermeidbar, um den langfristigen Erfolg der Deutschen Bank sicherzustellen", verteidigte Konzernchef Christian Sewing die Pläne. Aus dem Aktienhandel will er komplett aussteigen, auch der Anleihehandel - lange Zeit das Aushängeschild der Deutschen Bank - muss abspecken.

"Die Stimmung ist ziemlich düster"

Die Verunsicherung bei den Mitarbeitern ist groß. "Meine Zugangskarte funktioniert noch. Aber wer weiß, was morgen passiert", sagte ein Banker in Singapur. "Die Stimmung ist ziemlich düster. Einer nach dem anderen wird in einen Konferenzraum gebeten, bekommt nach Gesprächen mit Personalern einen Umschlag gereicht und muss dann das Gebäude verlassen", sagte ein Aktienhändler, der seit sechs Jahren für das Geldhaus arbeitet.

Auch in London, dem Herz des Investmentbanking der Deutschen Bank in Europa, wurden Mitarbeiter am Montag informiert. "Ich wurde heute morgen entlassen. Ein kurzes Meeting und das war es dann", sagte ein IT-Mitarbeiter, der seit zweieinhalb Jahren an einem Projekt in der Bank arbeitete. In der britischen Finanzmetropole, wo das Geldhaus rund 8000 Menschen beschäftigt, wurden Hunderte Kündigungen erwartet. Sewing wollte sich nicht zu Details der Stellenstreichungen äußern. Auch Deutschland dürfte nicht ungeschoren davonkommen.

Mit dem Umbau will der 49-Jährige die jahrelange Talfahrt der Deutschen Bank stoppen. Seine Vorgänger - Josef Ackermann, Anshu Jain, Jürgen Fitschen, John Cryan und auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner - scheuten tiefe Einschnitte im Investmentbanking. Sewing, seit 15 Monaten im Amt, hat sich nun, für viele Beobachter durchaus überraschend, unerwartet schnell emanzipiert und fährt eine harte Linie. Sein Ziel: "2022 wird die Deutsche Bank eine wachsende, effiziente und profitable Bank mit einem Vorsteuergewinn von mindestens sechs Milliarden Euro sein." Die Kosten will Sewing um sechs Milliarden auf 17 Milliarden drücken. "Das ist für mich nicht verhandelbar." Die Erträge in der Kernbank will er bis 2022 auf 25 Milliarden Euro steigern, von 22,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Analysten sind jedoch skeptisch, schließlich hat die Bank bei früheren Strategieänderungen ihre Ziele oft verfehlt. "Diesmal wird es anders sein", versprach Sewing. Die Ziele seien realistisch. "Wir greifen nicht nach den Sternen."