Wien. (da) Die Reichen werden nicht immer reicher. Zum ersten Mal seit sieben Jahren ist das Vermögen der Dollar-Millionäre 2018 gesunken. 18 Millionen Menschen weltweit sind es, die zumindest eine Million Dollar zur frei verfügbaren Veranlagung besitzen. Sie mussten vor allem aufgrund von Turbulenzen an den Aktienmärkten Einbußen über insgesamt zwei Billionen Dollar hinnehmen. Auf der Habenseite stehen aber noch immer 68,1 Billionen Dollar.

Die Berater von Capgemini zeigen in ihrem am Dienstag erschienenen "World Wealth Report", dass Österreich dem Trend folgt. Hierzulande sank die Zahl der Dollar-Millionäre um drei Prozent auf 145.100 Personen.

Ins Gewicht fallen insbesondere die globalen Verluste derer, die mindestens 30 Millionen Dollar veranlagen können. Zwar gehört diesem Kreis nur ein Prozent der Millionäre an, die aber 75 Prozent des gesamten Vermögensrückgangs auf sich vereinen.

Reichster Erdenbürger ist Amazon-Gründer Jeff Bezos mit 122 Milliarden Dollar. Im April einigte er sich mit Ex-Frau MacKenzie auf die Aufteilung des Vermögens. Sie erhielt ein Aktienpaket über fast 37 Milliarden Dollar.

"Ich habe eine unverhältnismäßige Menge an Geld zu teilen," sagte MacKenzie Bezos kurz darauf und trat der Initiative "The Giving Pledge" ("Das Spendenversprechen") bei. Die Mitglieder dieses Kreises erklären - allerdings nicht rechtsverbindlich - , sie werden entweder zu Lebzeiten oder testamentarisch mehr als die Hälfte ihres Vermögens wohltätigen Zwecken widmen.

Nur drei Neuzugänge
in diesem Jahr

Den Startschuss gaben Microsofts Mitgründer Bill Gates und Investor Warren Buffet vor neun Jahren. Zwar sind vier der zehn reichsten Menschen der Welt Mitglieder des Klubs - neben Gates und Buffet auch Marc Zuckerberg (Facebook) und Larry Ellison (Oracle). 204 Personen oder Paare zählt "The Giving Pledge" mittlerweile. Doch die Anwerbung der Mäzene läuft schleppend: 40 Superreiche zogen gleich zu Beginn nach. In den ersten vier Jahren folgten lediglich 82 Personen und 2019 gab es überhaupt nur drei Neuzugänge.

Trotz Mitgliedern aus 23 Ländern überwiegen weiterhin US-Bürger - und deren Verständnisse von Spenden. Diese dienen als Vehikel zur Steuervermeidung. Dazu kommt der uramerikanische Konflikt, wie weit sich der Staat in persönliche Belange einzumischen hat und wer besser weiß, wohin Mittel zu fließen haben. Ein Gegenentwurf ist die deutsche "Initiative Vermögender für eine Vermögensabgabe". Wer mehr als 500.000 Euro hat, soll auf zwei Jahre befristet je fünf Prozent abgeben.

"The Giving Pledge" ist auch ein Abbild des Geschäftsmodells einiger Mitglieder, die dank Monopolen immensen Reichtum angehäuft haben. Zwischenzeitlich ist aber Konkurrenz erwachsen wie "Founders Pledge" oder "Pledge 1%". Allesamt sind sie auch PR-Vehikel der Superreichen.

Dabei haben sich die öffentlichen Debatten verschoben. 2010 war der ehemalige US-Arbeitsminister Robert Reich noch ein Außenseiter mit der Kritik, "The Giving Pledge" zeige eine Rückkehr ins 19. Jahrhundert: "So viel Geld in so wenigen Händen konzentriert." Im Windschatten des "demokratischen Sozialisten" Bernie Sanders diskutieren die Demokraten nun offen über früher undenkbare Konzepte. So schwebt Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren eine "Ultra-Millionärssteuer" vor. Bei mehr als 50 Millionen Dollar Vermögen sollen zwei Prozent abgeführt werden.

Die US-amerikanischen Schwerreichen haben mehrere Optionen: Spenden sie für zentristische Kandidaten oder unterstützen sie gleich Präsident Donald Trump? Abtauchen und hoffen, dass andere Themen Konjunktur haben? Oder sie kommunizieren ihre Spende offensiv, getreu der PR-Grundregel "Tue Gutes und rede darüber".