Berlin. Eine Energiewende, aber nur für die Hälfte des Landes. Die aus Wind und Sonne gewonnene Strommenge hat im ersten Halbjahr in Nord- und Ostdeutschland weiter zugenommen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in den ostdeutschen Flächenländern sowie Berlin und Hamburg knapp 21.600 Gigawattstunden (GWh) Windstrom erzeugt, wie aus Daten des Stromnetzbetreibers 50Hertz hervorgeht. Das waren rund 5.000 GWh mehr als noch im Vorjahreszeitraum.

42 neue Windräder in sechs Monaten ans Netz gegangen

Im ersten Halbjahr 2019 sind nämlich 42 neue Windräder vor der deutschen Küste mit einer Leistung von gut 250 Megawatt ans Netz gegangen. 56 weitere Anlagen sind bereits gebaut und sollen demnächst Strom liefern, wie die Windenergie-Verbände am Mittwoch mitteilten.

Der staatlich verordnete Deckel einer Offshore-Leistung von 7.700 Megawatt bis 2020 sei nahezu erreicht.

Offshore-Leistung vergleichbar mit 15 großen Kohlekraftwerken

Insgesamt drehten sich nun in Nord- und Ostsee inzwischen fast 1.400 Windräder mit einer Kapazität von über 6.600 Megawatt. Rein rechnerisch entspricht dies der Leistung von etwa 15 großen Kohlekraftwerken, wenn der Wind regelmäßig rund um die Uhr wehen würde.

Mit Photovoltaik wurden im selben Zeitraum etwas mehr als 6.000 GWh Strom erzeugt - ein leichter Anstieg von 170 GWh im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Den Daten des Statistischen Bundesamts zufolge hat sich der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromeinspeisung in Deutschland im ersten Quartal deutlich erhöht. Vor allem aufgrund des stürmischen Frühjahrs lag er bei gut 41 Prozent. Im Vorjahreszeitraum waren es rund 35 Prozent gewesen. Die deutsche Regierung will einen Anteil von 65 Prozent erneuerbarer Energien an der Stromversorgung erreichen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten.

Bayern könnte schon 2025 um 2,7 Prozent mehr zahlen

Dafür drohen in Bayern ohne den Ausbau der großen Stromtrassen SuedLink und SuedOstLink bald noch höhere Strompreise als im Rest des Landes. Zu diesem Ergebnis kommt das Ifo-Institut in einer Studie für die Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern. Ohne die beiden Trassen wäre Strom in Süddeutschland 2025 schon 2,7 Prozent teurer als in Norddeutschland, in den Folgejahren würde die Differenz noch deutlich wachsen.

Mit den beiden Trassen "könnte mehr Windstrom aus Norddeutschland nach Bayern gebracht werden", erklärte Studienautor Johann Wackerbauer am Mittwoch. Ohne sie gäbe es nach der Abschaltung der letzten deutschen Atomkraftwerke in wenigen Jahren eine Versorgungslücke. Diese könnte mit Importen von tschechischem Atomstrom und österreichischem Pumpspeicherstrom, einem Ausbau der dezentralen Stromerzeugung und netzstabilisierende Maßnahmen gedeckt werden, "was hohe laufende Kosten verursacht".