Wien. Das Fundament der heutigen Weltwirtschaftsordnung wurde vor genau 75 Jahren gelegt. Am 22. Juli 1944 endete die Konferenz von Bretton Woods, zu der im Mount Washington Hotel in Bretton Woods, New Hampshire 730 Delegierte aus 44 Ländern zusammengekommen waren, um über die Konturen der Weltwirtschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu beraten.

In dem mondänen Resort in den White Mountains dominierten zwei Männer die Diskussionen: Der geniale britische Ökonom John Maynard Keynes, der das britische Finanzministerium repräsentierte, und sein amerikanischer Gegenspieler Harry White vom US-Schatzamt.

Die neue Finanzarchitektur sah vor, den Handel schrittweise zu liberalisieren, aber Einschränkungen im Kapitalverkehr bestehen zu lassen: Die Kontrolle von Kapitalbewegungen sollte nach diesen Ideen zu einem dauerhaften Merkmal der Nachkriegsordnung werden. Die Vereinigten Staaten, die damals mit Abstand die größten Goldvorräte in den Kellern der Federal Reserve in New York und in Fort Knox eingelagert hatten, sollten die einzige Nation sein, deren Währung zu einem festgesetzten Wechselkurs in Gold konvertiert werden kann. Der Goldstandard war also wieder eingeführt worden - diesmal in der Gestalt eines "Dollar-Standard".

- © Eric Baradat/afp
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Zum Goldstandard selbst wollte niemand zurück - gab man ihm doch Mitschuld an der Depression der frühen 30er Jahre. Die Zinssätze hatten damals erhöht werden müssen, um die Goldabflüsse einzudämmen. Doch die Zinserhöhungen hatten die Volkswirtschaften endgültig abgewürgt. Je länger einzelne Länder am Goldstandard festhielten, desto stärker wurden sie in Mitleidenschaft gezogen. Länder, die früher eine Abwertung vornahmen, erholten sich früher, nicht nur dank der niedrigeren Zinsen, sondern auch dank des Wettbewerbsvorteils, den ihnen die niedrigeren Preise im Außenhandel verschafften, analysieren George A. Akerlof und Robert Shiller in ihrem Buch "Animal Spirits". Viele Länder - in erster Linie Frankreich - hatten es in den 30er Jahren nicht wahrhaben wollen, dass die Zeit des Goldstandards vorbei war. Mit ihrem sturen Festhalten am Goldstandard hatten die Zentralbanken dazu beigetragen, dass der Börsencrash in den späten 20er Jahren eine derart schwere Depression auslöste.

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Aus diesen Fehlern wollte man in Bretton Woods lernen: Eine Situation wie nach dem Börsencrash 1929 und der Bankenkrise 1931 (der Zusammenbruch der Creditanstalt in Wien im Mai 1931 war damals der spektakulärste Fall) sollte in Zukunft unter allen Umständen vermieden werden.