Der Bancor als Lösung

Die Forderung von John Maynard Keynes war radikal: Er schlug eine weltweite Währung, den Bancor, vor. Diese Weltwährung sollte nach Keynes kühnen Plänen von einer zentralen Weltbank, der International Clearing Union, verwaltet werden. Als Anker der Währung sollte Gold dienen. Keynes berühmtes Zitat vom Gold-Standard als "barbarischem Relikt" würde seine Meinung über das Edelmetall nicht korrekt widergeben, so Keynes-Biograf und Ökonomie-Professor an der Warwick University Robert Skidelsky: Gold wäre nach Keynes Meinung als konstitutioneller Monarch nützlich, als Despot desaströs. Die USA lehnten Keynes Bancor-Idee ab - der US-Verhandlungsführer in Bretton Woods, Harry Dexter White, der die Kontrolle über die Beschlussprotokolle hatte, setzte den US-Dollar als Ankerwährung durch. White galt auch als Verfechter eines "harten Friedens" mit Deutschland und war maßgeblich an der Erstellung des Morgenthau-Plans beteiligt, nach dem Deutschland nach Kriegsende in einen Agrarstaat überführt werden sollte, damit das Land nie wieder einen Angriffskrieg führen könnte. US-Präsident Franklin D. Roosevelt verwarf den Entwurf allerdings. Später fiel White in den USA in Ungnade, nachdem er als Sowjetspion überführt worden war.

Nachdem sich Keynes gegen White nicht durchsetzen konnte, verteidigte er zumindest seine Minimalforderung - eine weiche Währung, mit der sich leichter auf Krisen reagieren lässt.

Ein fauler Kompromiss?

"Bretton Woods war von Anfang an ein fauler Kompromiss", schreibt Nathan Lewis in seinem Buch "Gold - die Währung der Zukunft". Denn das System von Bretton Woods sollte auf einer an Gold gebundenen harten Währung beruhen, gleichzeitig war es den einzelnen Staaten möglich, ihre Wechselkurse anzupassen. Außerdem hatten die Mitgliedsstaaten das Recht, Gesetze zur Kontrolle des inländischen Kapitals zu erlassen. Also mehr Spielraum für die heimische Geldpolitik, gleichzeitig konnte die nationale Währung zu einem offiziellen festgeschriebenen Kurs gehandelt werden.

"Die USA sollten von nun an das weltweite monetäre System kontrollieren, der Vertrag von Bretton Woods bedeckte dieses Fakt mit einem internationalen Mäntelchen", so Lewis. Doch die Regierungen hatten nun ein "Trilemma" zu lösen, "da jedem Staat drei Wahlmöglichkeiten offenstanden, von denen er nur zwei ergreifen konnte: 1. die volle Freiheit des grenzüberschreitenden Kapitalverkehrs, 2. ein fester Wechselkurs, 3. eine auf innenpolitische Ziele gerichtete unabhängige Geldpolitik."