Das System war also von Anfang an alles andere als perfekt.

Keynes konnte trotzdem zufrieden sein: Er hatte beim Frieden von Versailles 1919 davor gewarnt, Deutschland allzu hohe Reparationszahlungen aufzubürden, und war damals gescheitert. Dieser Fehler sollte sich nicht wiederholen. Das wirtschaftliche und politische Interesse an einem Ausgleich für entstandene Kriegsschäden und einer dauerhaften Schwächung des "Erzfeindes" Deutschland war damals klar im Vordergrund gestanden. Also waren Deutschland Reparationszahlungen von 132 Milliarden Mark auferlegt worden - das entspricht dem Wert von heute fast 400 Milliarden Dollar. Man hätte auf Keynes hören sollen: Denn Deutschland konnte nicht zahlen, behalf sich mit dem Drucken von Reichsmark. Die Folge: Hyperinflation und damit der Zusammenbruch der Weimarer Republik, Abgleiten Deutschlands in den Totalitarismus und Faschismus und als Konsequenz ein weiterer Weltkrieg.

Diesmal, nach dem Sieg über Nazideutschland, sollte alles anders sein: Die Alliierten bemühten sich, Deutschland, Italien und Japan wieder als demokratische Gesellschaften zu etablieren. Auch verzichtete Amerika auf die Rückzahlung der hohen Kriegshilfen und schenkte seinen Verbündeten anstatt dessen das Geld. Dazu kamen die substanziellen Hilfsgelder des Marshallplans und anderer Unterstützungsprogramme. Weltbank und Währungsfonds wurden damals geschaffen, um zur Umsetzung der Programme bereitzustehen.

Am 22. Juli 1944 endete die Konferenz in Bretton Woods. Am 8. Mai 1945 kapitulierte Deutschland, am 15. August 1945 Japan. Die USA sollten von nun an den "Westen", zu dem man auch Australien, Japan oder Korea südlich des 38. Breitengrads zählte, dominieren.