Washington. Lange Zeit hat sich die US-Konjunktur nahezu immun gegenüber den globalen Unsicherheiten gezeigt. Weder der von Präsident Donald Trump angezettelte Handelsstreit mit China noch die geopolitischen Spannungen mit dem Iran oder Nordkorea hinterließen irgendwelche substanziellen Spuren beim BIP-Wachstum. Gestützt auf den starken Inlandskonsum, brummte die US-Wirtschaft einfach konstant weiter vor sich hin.

Unmittelbar vor der allseits erwarteten Zinswende hat sich die Konjunktur in der größten Volkswirtschaft der Welt aber nun spürbar abgekühlt. Zwischen April und Juni stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur noch mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,1 Prozent, wie das Handelsministerium am Freitag auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Damit fiel es um einen vollen Prozentpunkt niedriger aus als zu Jahresbeginn.

Trotz der Wachstumsabschwächung zeigten sich die Amerikaner aber wie schon in den vergangenen Monaten in Kauflaune: Der private Konsum, der für zwei Drittel des BIP steht, legte um 4,3 Prozent zu. Negativ zu Buche schlug allerdings, dass im Zuge des von US-Präsident Donald Trump entfachten Zollkonflikts mit China die Exporte um 5,2 Prozent zurückgingen.

"Fed will vorbeugen"

Auch wenn Experten einen stärkeren BIP-Einbruch befürchtet hatten, dürfte die US-Notenbank ihre signalisierte Zinssenkung am Mittwoch nun durchziehen: "Da die Fed offenbar vorbeugen möchte, wird sie die Wachstumsverlangsamung als willkommenen Anlass sehen, den Leitzins Ende Juli zu senken", sagte Fed-Beobachter Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe.

An den Finanzmärkten wird nun für Mittwoch fest mit einer Senkung um einen Viertelpunkt auf die dann neue Spanne von 2,0 bis 2,25 Prozent gerechnet. US-Notenbankchef Jerome Powell hatte jüngst betont, die mit dem Handelskonflikt und der schwachen Weltwirtschaft verbundene Unsicherheit laste schwer auf dem Konjunkturausblick. Aus dem intensiv geführten Austausch mit der Wirtschaft habe sich für die Fed der Eindruck ergeben, dass sich Investitionen "spürbar verlangsamt" hätten.

Dies deckt sich mit den BIP-Daten: Die Unternehmensinvestitionen gingen um 0,6 Prozent zurück, nachdem sie zu Jahresbeginn noch um 4,4 Prozent zugelegt hatten: "Womöglich macht sich hier die Unsicherheit durch die Handelskonflikte bemerkbar", sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Balz.

Nicht zu viel, nicht zu wenig

Die Konjunkturdaten kamen bei Börsianern gut an: "Das ist genau das, was der Markt gebraucht hat, nicht so schwach, dass die Wirtschaft übermäßig an Schwung verliert, und nicht so stark, dass die Fed von ihrem Zinssenkungskurs Abstand nehmen muss", sagte Art Hogan vom Vermögensverwalter National Securities.

Dass sich die Konjunktur insgesamt besser geschlagen habe als erwartet, dämpfe zudem die zum Teil überschäumende Zinsfantasie an den Märkten, sagte Ralf Umlauf von der Landesbank Helaba. Zuletzt war über bis zu drei Senkungen in diesem Jahr spekuliert worden. Zudem wurde von manchen Börsianern ein Schritt nach unten um einen halben Prozentpunkt nicht ausgeschlossen. Dieser dürfte nun noch unwahrscheinlicher sein: "Dass die Fed vor der Zinssenkung in der nächsten Woche gänzlich zurückschreckt, glauben wir aber nicht", so der Helaba-Ökonom.