San Francisco/Hamburg/Wien. Uber hat mit einem Mega-Verlust Anleger in Schrecken versetzt und Zweifel an seinen Wachstumsversprechen genährt. Der Fahrdienstvermittler aus Kalifornien, der seine Expansion in den vergangenen Jahren weltweit vorangetrieben hat, fuhr im zweiten Quartal ein Minus von 5,2 Milliarden Dollar (rund 4,6 Milliarden Euro) ein. Das ist sechs Mal soviel wie im Vorjahr. Den größten Brocken machten dabei Aktienvergütungen an Mitarbeiter im Zusammenhang mit dem Börsengang aus. Viel größere Sorgen machten sich Börsianer aber, weil der Umsatz langsamer als erwartet wuchs und Uber im Preiskampf offenbar schwächelt.

"Die Verluste nehmen zu und der Wettbewerb wird immer härter", sagte Haris Anwar, Analyst der Finanzmarktplattform Investing.com. "Was das Vertrauen der Anleger erschüttert und die Aktie nach diesem Bericht hart trifft, ist das Fehlen eines klaren Weges, um die Erträge zu steigern und die Kosten zu senken." Die Aktie verlor am Donnerstag nachbörslich an der Wall Street elf Prozent.

Uber steigerte den Umsatz im zweiten Quartal zwar um 14 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar, verfehlte damit aber die Erwartungen der Wall Street. Während das Kerngeschäft mit der Fahrdienst-Vermittlung nur um zwei Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar wuchs, steigerte Uber die Erlöse aus dem noch jungen Geschäft mit der Lieferung von Lebensmitteln (Uber Eats) um 72 Prozent auf 595 Millionen Dollar. Zugleich weitete sich der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und aktienbasierter Vergütung (Ebitda) um 125 Prozent auf 656 (Vorjahr 292) Millionen Dollar aus. Uber steigerte zwar die Bruttobuchungen, die den Gesamtwert der Autofahrten, Roller- und Fahrraddienste, Lebensmittellieferungen und anderen Dienstleistungen wiedergeben, um fast ein Drittel. Der Anteil, der dem Unternehmen nach der Bezahlung der Fahrer blieb, kletterte aber nur um vier Prozent.

Erbitterter Preiskampf

Mit seinem Zwischenbericht erwischte Uber die Anleger auf dem falschen Fuß, nachdem sein kleinerer Konkurrent Lyft am Vortag erst seine Gewinnerwartungen angehoben und berichtet hatte, der Preiskampf lasse nach. Uber-Chef Dara Khosrowshahi sagte, der Wettbewerb beginne, rationaler zu werden. Das laufende Jahr sei der Höhepunkt bei den Investitionen, und die Verluste würden in den Jahren 2020 und 2021 abnehmen.

Die beiden Anbieter leisten sich im weltweiten Geschäft mit Fahrdiensten einen erbitterten Preiskampf um Marktanteile und geben viel Geld für Werbung aus, um Kunden anzulocken. Auch in Deutschland ist Uber seit einiger Zeit in ein paar Städten wieder aktiv, nachdem der umstrittene Anbieter im Zwist mit dem Taxigewerbe vor einigen Jahren Rückschläge erlitten hatte.

Ähnliches gilt für Wien, wo das Unternehmen ebenfalls eine Pause einlegen musste. Die Taxizentrale 40100 hatte nämlich eine einstweilige Verfügung beim Handelsgericht Wien erwirkt. Mittlerweile ist der Dienst aber wieder online. Es sei intensiv daran gearbeitet worden, alle Anforderungen des Gerichts zu erfüllen, teilte der Anbieter mit. Uber operiere jetzt mit einer lokalen, steuerpflichtigen Niederlassung und einer entsprechenden Gewerbeberechtigung in Österreich. (reu)