Washington/Peking. Im Handelsstreit mit China geben die USA ein Stück weit nach. Das Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer teilte am Dienstag mit, zehnprozentige Zölle auf bestimmte chinesische Güter wie Laptops und Mobiltelefone aufzuschieben. Sie sollten eigentlich ab nächstem Monat greifen. Bei weiteren Produktgruppen wie Computern, Spielekonsolen, Monitoren sowie einigen Bekleidungsstücken werde es eine Verschiebung bis Mitte Dezember geben. Damit wird das Weihnachtsgeschäft in den USA wohl noch kaum von den Zöllen betroffen sein.

Die Erklärung erfolgte unmittelbar nachdem der chinesische Vize-Premier und Handelsminister Liu He mit Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin telefoniert hatte. An der Börse gab die Nachricht den Kursen Auftrieb. In New York verteuerten sich Apple-Aktien beispielsweise um mehr als vier Prozent. Der Dow-Jones-Index legte 1,5 Prozent zu, nachdem der Future vor Handelsbeginn noch im Minus gelegen hatte.

In den vergangenen beiden Woche hatten die beiden größten Volkswirtschaften der Welt ihren Kurs im Handelsstreit verschärft. Nachdem US-Präsident Donald Trump Anfang August angekündigt hatte, ab dem 1. September Sonderzölle auch auf bisher davon verschonte chinesische Waren im Wert von 300 Milliarden Dollar zu verhängen, folgte kurz darauf bereits der nächste Schritt: Als Reaktion auf die starke Abwertung des Yuan stuften die USA China erstmals seit dem Jahr 1994 wieder offiziell als Währungsmanipulator ein. China verschaffe sich mit einer bewussten Abwertung der Landeswährung unfaire Vorteile im Welthandel, begründete US-Finanzminister Steven Mnuchin damals den Schritt.

Keine US-Agrarprodukte

China antwortete darauf wiederum mit einer Aussetzung des Kaufs von US-Agrarprodukten. Die Öffnung ausländischer Agrarmärkte war für Trump zuletzt besonders wichtig und eine Möglichkeit, in den Verhandlungen mit China und der EU schnell Ergebnisse zu erzielen. "China hat damit genau die Stelle getroffen, an der Trump besonders verwundbar ist", sagt Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. "Bisher hat er sich als Schutzpatron der Agrarindustrie präsentiert."

Die USA und China wollten ursprünglich im September erneut Gespräche zu einem Handelsabkommen führen. Nun soll es aber noch im August telefonische Verhandlungen geben. Die vorige Gesprächsrunde der beiden Staaten im Juli war ohne konkretes Ergebnis zu Ende gegangen.