London. Die US-Administration unter Präsident Donald Trump befürwortet klar einen EU-Austritt Großbritanniens ohne Abkommen. Wenn es einen No-Deal-Brexit gäbe, wäre dies eine Entscheidung der britischen Regierung. "Wir würden diese mit Begeisterung unterstützen", meinte der Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, nach Angaben der Tageszeitung "Guardian" bei einem Besuch in London.

Bolton hatte sich am Montagabend mit dem neuen britischen Premierminister Boris Johnson und anderen hochrangigen Vertretern der britischen Regierung getroffen. Trump sei an einem erfolgreichen Ausstieg Großbritanniens aus der EU am 31. Oktober gelegen, befand Bolton vor Journalisten in der britischen Hauptstadt. "Wir sind bei Euch", habe er hinzugefügt. Die USA setzten zudem auf Handelsabkommen mit Großbritannien.

Bolton stellte dabei nach Angaben britischer Medien gestückelte Handelsabkommen für einzelne Industriebereiche in Aussicht, schwierige Bereiche könnten zunächst ausgeklammert werden. Ziel wäre eine umfassende Vereinbarung, die alle Handelsgüter und Dienstleistungen umfasse, so Bolton. "Aber um das zu erreichen, könnte man Sektor für Sektor vorgehen."

Neuer Fokus?

Unterdessen gibt es bereits erste Anzeichen dafür, dass sich der wirtschaftspolitische Fokus Großbritanniens verschiebt. Laut Handelsministerium in London importiert Großbritannien erstmals mehr Güter aus den USA als aus Deutschland - wenn auch nur geringfügig. Im abgelaufenen Finanzjahr (per Ende April) seien die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen aus den USA um 14 Prozent auf 78,27 Milliarden Pfund gestiegen, so das Handelsministerium.

Die Importe aus Deutschland sanken dagegen um 0,1 Prozent auf 78,26 Milliarden Pfund (84,88 Milliarden Euro). Nach Angaben der britischen Regierung sind sich Premier Johnson und US-Präsident Trump jedenfalls einig, dass der Ausstieg der Briten aus der EU eine beispiellose Gelegenheit wäre, die wirtschaftliche Partnerschaft zu stärken. Trump spricht in diesem Zusammenhang von einem "großartigen Handelsvertrag". Die britische Handelsministerin Liz Truss war zuletzt zu Besuch in Washington, um das Thema voranzutreiben.

Dass eine Kooperation mit Donald Trump mit Überraschungen und Schwierigkeiten verbunden ist, mussten die Briten allerdings bereits zur Kenntnis nehmen. Anfang August ließ der US-Präsident wissen, dass er ein Handelsabkommen mit Großbritannien nach dem Brexit nur dann abschließen werde, wenn London seine geplante Digitalsteuer für Tech-Giganten stoppt. Die neue Abgabe würde vor allem US-Internetkonzerne wie Google und Facebook treffen. Sie soll ab April 2020 eingeführt werden. Der frühere Finanzminister Philip Hammond hatte sie noch unter der Regierung von Premierministerin Theresa May angekündigt.

Frankreich hat zuletzt eine Digitalsteuer eingeführt, die genau die Tech-Giganten trifft. Zuvor war eine Lösung auf europäischer Ebene gescheitert. Auch Österreich hat auf eine derartige Abgabe gedrängt. Trump bezeichnete die Entscheidung der Franzosen als "Dummheit" und drohte auch Paris mit Gegenmaßnahmen - etwa durch Steuern auf französischen Wein.