London/Frankfurt. (reuters) Strafzinsen, die zunehmende Regulierung und die wachsende Furcht vor einer Rezession drücken die Aktienkurse von europäischen Banken immer tiefer. Der Index für die europäischen Großbanken stürzte am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit 2012 - als die europäische Staatsschuldenkrise ihren Höhepunkt erreichte.

In Frankfurt fiel die Aktie der Deutschen Bank um bis zu 3,9 Prozent auf 5,81 Euro und notierte damit nur noch hauchdünn über ihrem Anfang Juni - vor Bekanntgabe des Radikalumbaus - erreichten Rekordtief von 5,80 Euro. Die Commerzbank-Aktie fiel um bis zu 3,2 Prozent auf ein Allzeittief von 4,66 Euro. In Wien lagen Erste Bank und Raiffeisen International hingegen nur leicht im Minus.

Europas Banken sind kumuliert nur noch eine halbe Billion Dollar wert - das ist etwa halb so viel wie Microsoft. Auf dem Höhepunkt 2007 brachten die Banken in der Eurozone noch 1,7 Billionen Dollar auf die Waage, deutlich mehr als ihre US-Konkurrenten. Doch das Blatt hat sich gewendet, die US-Geldhäuser sind weit enteilt und aktuell drei Mal so viel wert wie Europas Banken.

Die Gründe für die Misere sind vielschichtig. Die Strafzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB), die sie für Einlagen bei der Notenbank zahlen müssen, machen den Banken jedenfalls seit Jahren zu schaffen.

Verschärfung des Einlagesatzes wird erwartet

An den Finanzmärkten wird aktuell eine weitere Verschärfung des sogenannten Einlagesatzes auf minus 0,6 Prozent von minus 0,4 Prozent eingepreist. Zwar hat die EZB eine Entlastung etwa in Form von Staffelzinsen in Aussicht gestellt, um die Auswirkungen einer weiteren Verschärfung der Strafzinsen abzumildern. Doch unklar bleibt, inwieweit das die Schmerzen der Banken lindern kann.

Zudem kursiert die Angst vor einer Wirtschaftskrise, die auf die Banken durchschlägt. Dieses Mal sei es vor allem die niedrige Rentabilität der Institute, nicht deren Solvenz, die Anlegern Sorge bereite, sagte Jerome Legras von Axiom Alternative Investments. "Das sind einfach die Folgen eines Jahrzehnts zusätzlicher Regulierung, unkonventioneller Geldpolitik und des Schuldenabbaus. Es gibt einfach nicht viele Wege für Banken, da rauszukommen."

Der niedrige Börsenwert der Banken in der Euro-Zone mache sie zur leichten Beute für US-Wettbewerber, sagt Natixis-Analyst Patrick Artus. Wegen ihrer geringen Eigenkapital-Renditen könnten Europas Banken kein frisches Kapital bei ihren Aktionären einsammeln. Weil sie nicht expandieren könnten, sinke ihre Fähigkeit, Unternehmen auf dem Kontinent zu finanzieren. Europäische Unternehmen auf der Suche nach einer Finanzierung müssten daher zunehmend bei US-Banken oder anderen ausländischen Instituten Kredite aufnehmen, erklärt Artus.