Leipzig. (reu/red) Dass Fliegen zu den klimaschädlichsten Arten der Fortbewegung gehört, bestreiten mittlerweile nicht einmal die Airlines. Je mehr über Emissionen diskutiert wird, desto stärker befindet sich die Branche in der Defensive. In Deutschland suchen daher Branchenvertreter nun den Schulterschluss mit Politik und Gewerkschaften. Gemeinsames Anliegen: Rund 850.000 Arbeitsplätze tragen direkt und indirekt zur Wertschöpfung der Luftfahrt von über 60 Milliarden Euro bei.

Unter den 500 Gästen bei der ersten Nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig waren am Mittwoch daher auch Kanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Geht es nach Merkel, solle Deutschland Zentrum einer umweltfreundlichen Luftfahrt werden. "Wir wollen Deutschland zu einem führenden Standort für klimaverträglichere Luftfahrzeugtechnologien machen." Es gebe wegen der Klimadebatte zunehmend Kritik am Flugverkehr, gestand die Kanzlerin ein. "Umso wichtiger ist es, dass die Branche zeigen kann, dass Wachstum nicht mit immer mehr Wachstum klimaschädlicher Emissionen verbunden ist, sondern dass wir wie in anderen Bereichen eine Entkoppelung erreichen können", mahnte Merkel.

Hoffnungsträger Wasserstoff

Den größten Hebel sieht die Branche bei der Weiterentwicklung der Kraftstoffe. "Wir wollen erreichen, dass die luftverkehrsbedingten CO2-Emissionen auf null sinken", erklärte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft Anfang des Monats. Merkel strich dann auch am Mittwoch die Selbstverpflichtung der Branche hervor, ab 2020 das Emissionsniveau der Flugzeuge zu halten und 2050 dann auf 50 Prozent des Wertes von 2005 zu senken. Nötig sei dafür die Produktion von synthetischen, klimafreundlicheren Kraftstoffen oder der Umstieg auf elektrisch angetriebene Flugzeuge. Im Bereich bis 80 Passagiere sei dies schon in greifbarer Nähe. "Elektrisches und hybrid-elektrisches Fliegen sowie die wettbewerbsfähige Einführung alternativer Kraftstoffe sind zentrale Elemente strategischer Industriepolitik", wurde in der Abschlusserklärung festgehalten.

Auch auf Wasserstoff als Antriebsmittel setzt die deutsche Regierung. Bis Ende des Jahres solle eine nationale Wasserstoffstrategie erarbeitet werden, meinte Merkel. In Österreich sagte ÖVP-Obmann Sebastian Kurz, man wolle bis 2030 "Wasserstoffnation Nummer eins weltweit" werden. Dessen Konzepte bezogen sich aber insbesondere auf den Autosektor und wurden von mehreren Experten kritisch betrachtet, ist das Wasserstofffahrzeug doch teurer in der Anschaffung als ein E-Auto und muss die kostenintensive Infrastruktur für Wasserstofftankstellen aufgebaut werden. Zudem wird der Wasserstoff an den derzeit gezählten fünf Tankstellen in Österreich durch Dampfreduktion aus Erdgas hergestellt.

In Deutschland wiederum unterstützt Minister Scheuer nun eine Kernforderung der Industrie. Jene rund 1,2 Milliarden Euro jährlich aus der Luftverkehrssteuer sollen für Forschung, Innovation und Klimaziele genutzt werden. Zustimmung erhält der CSU-Politiker von der CDU, er benötigt aber auch das Ja der SPD.

Defizitäre Billigfluglinie

Einigkeit besteht nicht einmal innerhalb der Sozialdemokraten, ob eine Kerosinsteuer eingeführt werden soll. Der Chef der AUA-Mutter Lufthansa, Carsten Spohr, lehnt diese wenig überraschend ab. Der Luftverkehr würde nur verlagert, Airlines würden im Ausland tanken, wo eine solche Steuer nicht erhoben werde, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Zu schaffen macht Spohr auch der Preiskampf unter den Billigfliegern. Die Lufthansa-Tochter Eurowings werde daher erst 2021 schwarze Zahlen schreiben.