New York. (apa/afp) In der Opiate-Krise in den USA ist der Pharmakonzern Purdue einem Medienbericht zufolge zu einer Milliardenzahlung bereit, um einen Großprozess zu vermeiden. Der Sender NBC News berichtete am Dienstag, der Hersteller des Schmerzmittels Oxycontin könnte für eine außergerichtliche Einigung in Cleveland im Bundesstaat Ohio zwischen zehn und zwölf Milliarden Dollar zahlen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, die Familie Sackler - Eigentümer von Purdue Pharma - habe sich mit den US-Behörden auf das Entschädigungspaket geeinigt. Die Firma werde dabei in die Insolvenz geschickt und in eine Stiftung der öffentlichen Hand überführt. Zudem soll die außerhalb der Vereinigten Staaten aktive Tochter Mundipharma verkauft werden, um die für den Vergleich nötige Summe aufzutreiben.

Der Konzern bestätigte aber lediglich Gespräche über eine außergerichtliche Einigung, nicht aber die von NBC News und Bloomberg genannte Summe. Purdue Pharma sei bereit, sich in einem Verfahren "energisch" gegen Vorwürfe zu verteidigen, wolle aber jahrelange Rechtsstreitigkeiten vermeiden, erklärte das Unternehmen.

In Cleveland werden fast 2300 Verfahren zusammengeführt, bei denen Bundesstaaten, Städte und weitere Kläger wegen der Opiate-Krise Entschädigungszahlungen von einer Reihe von Unternehmen fordern. Es geht um dutzende oder sogar hunderte Milliarden Euro.

Kritiker werfen Pharmaunternehmen vor, die Risiken opiathaltiger Schmerzmittel verschleiert und das massenhafte Verschreiben der Medikamente befördert zu haben. Millionen US-Bürger wurden in der Folge süchtig. In weniger als zwei Jahrzehnten sollen mehr als 400.000 Menschen an einer Überdosis gestorben sein. Allein im Jahr 2017 gab es den Behörden zufolge landesweit mindestens rund 47.600 Todesfälle.

Am Montag verurteilte ein Gericht im nördlich von Texas gelegenen Bundesstaat Oklahoma den Hersteller Johnson & Johnson zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 572 Millionen Dollar (515 Millionen Euro). Die Anleger reagierten erleichtert auf das milde Urteil, die Aktie von Johnson & Johnson stieg im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als fünf Prozent.

Dem US-Konzern wurde vor Gericht vorgeworfen, aus Profitgier Suchtrisiken bei der Vermarktung der Medikamente verschleiert oder heruntergespielt zu haben. Johnson und Johnson hatte ein Unternehmen gekauft, das in Tasmanien, einer australischen Insel südlich von Melbourne, Schlafmohn anbaut. Johnson war ab 2015 - dem Höhepunkt der Opiat-Welle - der wichtigste Lieferant für die Rohmaterialien zur Produktion von Schmerzmitteln auf Opium-Basis in den USA. Johnson und Johnson hatte sogar eine bestimmte Schlafmohn-Unterart - genannt Norman, eine Sorte, die kein Morphium hervorbringt - gezüchtet. Die aus dieser Schlafmohn-Art gewonnenen Inhaltsstoffe wurden dann etwa zur Produktion des starken Schmerzmittels OxyContin verwendet.

Mike Hunter, Generalstaatsanwalt des Bundesstaats Oklahoma, hatte Johnson und Johnson vorgeworfen, mit suchtgefährdenden Schmerzmitteln ein Wegbereiter der Opiat-Welle gewesen zu sein. Staatsanwalt Hunter hatte eine vielfach höhere Strafe gefordert. Wäre es nach ihm gegangen, wäre der US-Konzern zu einer Strafzahlung von 17 Milliarden Dollar verurteilt worden. Purdue Pharma hatte einen Prozess in Oklahoma durch die Zahlung von 270 Millionen Dollar vermeiden können.

Sackler-Familie unter Beschuss

An den Entschädigungszahlungen der Firma Purdue Pharma soll sich auch die milliardenschwere Sackler-Familie beteiligen.

Die Sackler-Familie kam in den vergangenen Jahren immer mehr unter Beschuss, weil die Öffentlichkeit Purdue Pharma als Mitschuldigen der Opiat-Krise in den USA ausgemacht hat. So gab es zuletzt Proteste gegen Museen (darunter auch das Louvre), die vom großzügigen Kultursponsoring der Familie profitiert haben.