New York. Der US-Pharmakonzern Purdue Pharma bereitet sich Insidern zufolge auf einen Insolvenzantrag bis Ende des Monats vor, sollte ein milliardenschwerer Vergleich zur Beilegung Tausender Klagen wegen Opiod-Schmerzmitteln scheitern. Anwälte des Unternehmens hätten Dokumente zusammengestellt, mit denen Purdue jederzeit Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen könne, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von drei mit der Sache vertrauten Personen. Ein Bundesrichter wolle 35 Generalstaatsanwälte bei der Einigung auf einen Vergleich mit im Boot haben. Diese Schwelle wurde den Insidern zufolge aber noch nicht erreicht. Bei der Purdue-Eigentümerfamilie Sackler war zunächst keine Stellungnahme erhältlich. Das Unternehmen erklärte, es arbeite aktiv mit Generalstaatsanwälten und den Klägern an einer Lösung.

"Zerschlagen und dicht machen"

Einige Staaten sperren sich gegen das bis zu zwölf Milliarden Dollar schwere Vergleichsangebot, das das Unternehmen Ende August gemacht hatte. Der Generalstaatsanwalt von Conneticut, wo Purdue seinen Sitz hat, hatte gefordert, der Arzneimittelhersteller müsse "zerschlagen und dicht gemacht werden". Einer der Insider sagte, die Anwälte von Purdue hätten führende Anwälte von lokalen Regierungen und einige Generalstaatsanwälte wiederholt darauf hingewiesen, dass der Konzern Konkurs anmelden müsse, wenn ein Vergleich nicht bald geschlossen werde. Dieser Ansatz wird als so genanntes "free-fall" Insolvenzverfahren bezeichnet, da es im Vorfeld an einem Konsens über eine Reorganisation mangelt.

Ein Grund, warum das Unternehmen zu einem Insolvenzantrag noch in diesem Monat entschlossen sei, ist den Insidern zufolge auch ein Verfahren am 21. Oktober. Dieses wolle Purdue vermeiden. Bei dem Prozess, bei dem viele Klagen vor einem Bundesgericht in Ohio gebündelt sind, könnte es zu einem Urteil kommen, das der Konzern womöglich nicht verkraften könne.

400.000 Tote in den Vereinigten Staaten

Purdue sieht sich mit mehr als 2000 Klagen von Städten, Bezirken und Staaten konfrontiert, die dem Unternehmen vorwerfen, die Opiod-Krise in den USA befeuert zu haben. Der Oxycontin-Hersteller und andere Firmen sollen in aggressiven Marketingkampagnen die Risiken süchtigmachender Schmerzmittel bei längerem Gebrauch verharmlost haben. Purdue und die Eigentümerfamilie Sackler, die im Laufe der Jahre ein geschätztes Vermögen von 13 Milliarden US-Dollar angehäuft hat, weisen dies zurück. In den USA sind nach Behördenangaben zwischen 1999 und 2017 fast 400.000 Menschen an den Folgen von Opioid-Missbrauch gestorben. (reuters)