Wien. Das Drogerieunternehmen dm gibt den Kampf um das Recht zum Verkauf von rezeptfreien Arzneimitteln in Österreich nicht auf. Der Verfassungsgerichtshof hatte in den Jahren 2016 und 2017 einen Antrag des Unternehmens auf Prüfung des Apothekenmonopols aus formalen Gründen bereits zwei Mal abgelehnt. Mit einem neuen Anwaltsteam will dm nun eine inhaltliche Entscheidung der Verfassungsrichter herbeiführen.

Diese Ankündigung  stößt bei der Apothekerkammer wenig überraschend auf Kritik. Es sei unverantwortlich, derart sensible Produkte wie Medikamente genauso wie Waschmittel zu behandeln und damit die Gesundheit der Menschen dem Profit zu opfern, sagte Ulrike Mursch-Edlmayr, die Präsidentin der Interessenvertretung.

Bis zu 40 Prozent Preisersparnis bei den Kunden

dm will in Österreich schon länger rezeptfreie Medikamente anbieten - und zwar um bis zu 40 Prozent günstiger als in Apotheken, wie Geschäftsführer Harald Bauer am Freitag per Aussendung mitteilte. Es stelle sich die Frage, ob es mit den Grundrechten der Erwerbsfreiheit und des Gleichheitsgrundsatzes vereinbar sei, dass Drogisten keine rezeptfreien Arzneimittel wie Bepanthen, Supradyn oder Wick-Vaporub verkaufen dürfen.

Die Handelskette hat darum die Anwaltskanzlei Tschurtschenthaler-Walder-Fister für einen weiteren Gang zum Verfassungsgerichtshof beauftragt. Wie Rechtsanwalt Mathis Fister erklärte, sehe das Arzneimittelgesetz vor, bestimmte Arzneimittel für einen Verkauf in Drogerien freizugeben. "In der derzeit geltenden Verordnung ist dies aber nicht geschehen, was unserer Ansicht nach mit den gesetzlichen Vorgaben nicht in Einklang steht."

Drogerien wären genauso wie Apotheken in der Lage, die Arzneimittelsicherheit zu gewährleisten und den Kunden qualifizierte Beratung anzubieten, betonte Fister - und zog einen Vergleich mit Online-Apotheken. Dort sei die Bestellung rezeptfreier Arzneimittel zulässig, ohne dass jemand dagegen Bedenken hätte, dass die Qualität der Arzneimittel auf dem Versandweg beeinträchtigt werden könnte oder dass die Kunden über die Eigenschaften des Arzneimittels online nicht ausreichend beraten werden könnten.

"Die Ankündigung von Rabattschlachten bei Medikamenten durch dm offenbart einen erschreckend leichtfertigen Umgang mit der Gesundheit der Menschen. Medikamente sind keine Waschmittel, die möglichst billig verschleudert werden dürfen", zeigt sich Mursch-Edlmayr besorgt.
Apothekerinnen und Apotheker seien die ausgebildeten Experten für die Abgabe von Arzneimitteln sowie für die fachliche Beratung im Umgang mit Medikamenten. Das biete nur diese Berufsgruppe. (apa)