Toulouse/Berlin. Der neue Airbus-Chef Guillaume Faury warnt vor den Auswirkungen des Handelskriegs auf die Luftfahrt. "Wir haben einige Wolken vor uns", sagte der seit April amtierende Franzose in einem Gespräch mit "Welt" (Dienstagsausgabe). Dazu zählten die Konsequenzen aus einem ungeregelten Brexit und dem Handelskrieg zwischen den USA und China.

Sorge bereiteten aber vor allem kurzfristig drohende US-Zölle auf Airbus-Flugzeuge als Folge des Streits vor der Welthandelsorganisation WTO. "Wir befinden uns in einer Situation, in der sich Dinge sehr schnell ändern können", so Faury. Seit 15 Jahren streiten Europa und die USA über die Zulässigkeit von Staatshilfen für ihre Flugzeughersteller. In der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump steht nun der erste WTO-Schlichtungsspruch an. Die US-Seite hat bereits Sonderzölle von bis zu 100 Prozent in Aussicht gestellt. Nach dem WTO-Schlichtungsspruch wird die endgültige Strafzollliste der USA erwartet.

Nach Faurys Aussage droht ein Szenario, bei dem hohe Zölle den Kauf von Airbus-Flugzeugen belasten könnten. Nach Informationen der Europa-Ausgabe des Online-Portals "Politico", das in einem Joint Venture mit der Axel Springer SE (Welt, Bild) erscheint, entschied die Welthandelsorganisation zugunsten der USA. Damit könnten Zölle von bis zu zehn Milliarden Dollar verhängt werden. Allerdings gibt es als Antwort der Europäer auch ein Verfahren bei der WTO gegen die USA. Hier wird eine Entscheidung mit sechs bis neun Monaten Verzögerung erwartet. Mit Blick auf die Auslieferungen sagte Faury: "Es ist jetzt unwahrscheinlich, dass es sich erheblich auf 2019 auswirken wird. Störungen können wir aber nicht vollkommen ausschließen." Ein drohendes Szenario wären Zölle für Airbus-Flugzeuge und die Abnahmeverweigerung durch Airlines, weil Neubeschaffungen dann unwirtschaftlich würden, sagte Faury weiter. "Ein schlimmes Szenario wären Zölle, die für einen bestimmten Zeitpunkt für Airbus-Flugzeuge angewendet werden, bevor sich die EU revanchiert", erklärte der Airbus-Chef. Vermutlich würden die EU-Revanchen höher ausfallen.

Wie sein Vorgänger Thomas Enders warnte auch Faury vor den längerfristigen Brexit-Folgen, nachdem Airbus die Tragflächen nahezu aller Modelle aus Großbritannien bezieht. Kurzfristig könnten keine Werke verlagert werden, aber Investitionen für die nächsten Programme "könnten auf eine andere Weise erfolgen, wenn der Ort für Geschäfte in Großbritannien nicht mehr der richtige ist".

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström rechnet wegen des Streits um Subventionen für Airbus bald mit US-Zöllen auf EU-Produkte. Da Trump Deals gerne habe, habe man ihm angeboten, auf dem Verhandlungsweg eine Lösung zu finden, sagte Malmström am Montag. "Bisher haben die USA leider nicht gesagt, dass sie bereit sind zu verhandeln, zumindest nicht, bis sie ihre Zölle eingeführt haben, was sie wahrscheinlich bald tun werden."(apa/reuters)